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Heyne Verlag

[Rezension] Anne Freytag – Den Mund voll ungesagter Dinge

Den Mund vollungesagter DingeAls Überraschungspost bekam ich vor kurzem den neuen Roman von Anne Freytag Den Mund voll ungesagter Dinge zugesandt, welches heute erscheint, und bin dem Heyne Fliegt Verlag (der zur Verlagsgruppe Random House gehört) sehr dankbar.

Vor fast genau einem Jahr berichtete ich an dieser Stelle schon über Mein bester letzter Sommer und ich freue mich fast noch ein bisschen mehr über Den Mund voll ungesagter Dinge.

Aber nun noch ein paar Infos vorweg, bevor ich euch sage, wieso ich dieses Buch so wichtig und lesenswert finde.

Zum Inhalt

Sophie ist 17 Jahre alt, steht kurz vor dem Abitur und lebt mit ihrem Vater in Hamburg..zumindest bis dieser entscheidet, noch vor Sophies Schulabschluss anch München zu seiner neuen Freundin nach München zu ziehen. Fast 800km entfernt von allem, was bisher ihr Leben ausgemacht hat und ohne viel Gepäck, wird Sophie in eine neue Familie mit Mutter, zwei Söhnen und Hund verpflanzt. Wem würde das schon gefallen? Zumal ihr bester Freund Lukas in Paris lebt und dort einen neuen Weg geht. Doch dann taucht Alex auf – die Tochter der Nachbarn – und ist mit ihren grünen Augen und der kleinen Zahnlücke die Person, die Sophie das erste Mal in München wieder lachen lässt…

Und sie ist hübsch, aber auf eine menschliche, intelligente Art. Bis auf ihre dunklen Brauen ist sie einfarbig, sogar kontrastlos, aber das macht sie nicht weniger schön. Alex ist unkonventionell und kühl, und gleichzeitig total lebendig.

Anne Freytag Den Mund voll ungesagter Dinge, S. 80

Den Mund voll ungesagter Dinge – Meine Meinung

Romane über das Erwachsenwerden scheint es zu Hauf zu geben, aber es gibt immer noch zu wenige – meiner Meinung nach – die vom Normierten abweichen; die vom typischen boy meets girl abweichen. Den Mund voll ungesagter Dinger füllt hier eine Lücke; zeigt uns, dass Erwachsenwerden eben nicht nur aus Konflikten mit Eltern und Freunden bestehen kann, sondern für einen nicht kleinen Teil der Menschheit eben auch aus Verwirrung und dem Herausfinden des eigenen Selbst, welches – auch für einen nicht sehr kleinen Teil der Menschheit – von der „Norm“ abweicht. Melanie Raabe sagt an dieser Stelle genau das, was ich mir auch beim Lesen dachte:

„Als mir klar wurde in welche Richtung der Roman sich inhaltlich entwickeln würde, hätte ich beinahe laut gejubelt.“

Quelle

Denn genauso ist es. Wir durchleben nicht nur Sophies eigene Welt, sondern durch ihre Augen auch die Umwelt – die Eltern, der Freundeskreis und manchmal auch einfach die Blicke unbekannter Menschen am Ufer der Isar. Es lässt einen vielleicht drüber nachdenken, wie viele Menschen im eigenen Umfeld solche Blicke hätten, die Augenbrauen hochziehen würden und eventuell sogar den Kopf schütteln würden. Und auch wenn es mir nicht schmeckt: Ich selbst kenne solche Menschen.
Anne Freytags Schreibstil macht es uns leicht, uns in Sophie hineinzuversetzen und die Geschichte reißt einen so mit, dass man das Buch nur schwer wieder zur Zeit legen kann. Man hofft und bangt und man weint vielleicht auch Rotz und Wasser. Und ich freue mich, wenn ein Buch so etwas bei mir schafft; mich mitzureißen und so viel mit diesen Figuren auf dem Papier zu leiden.

Aber jetzt weiß ich, dass es nicht nur eine Antwort gibt. Genauso wie es nicht nur ein tolles Lied gibt. Oder ein gutes Essen. Oder ein schönes Land. Ich glaube, ich hab’s jetzt verstanden…ich bin nicht nur eine Sache. Ich bin tausend Sachen.

Anne Freytag Den Mund voll ungesagter Dinge, S. 394

Wenn man sich dieses Zitat anschaut, dass Anne Freytag einer 17jährigen in den Mund legt, kann man vielleicht selbst nochmal in sich gehen und sich klar werden, dass es genau so ist. Und dann hat man auch als 30jährige noch etwas gelernt von einem Roman, für den man vielleicht nicht so offensichtlich die Zielgruppe ist. Literatur kann sowas. Es zeigt uns, dass jeder in irgendeiner Weise sein Päckchen zu tragen hat und dass dieses Päckchen vielleicht gerade in der Zeit des Erwachsenwerdens auch eine Persönlichkeit formen kann.
Und doch ist es nicht das einzige was einen ausmacht. So ist Sophie nicht nur Alex‘ Freundin, sondern auch die neue große Schwester, die geliebte Tochter ihres Vaters, eine neue Tochter für ihre „Stiefmutter“, diejenige, die den Hund erst richtig aus sich herausholt, das „Flittchen“ für ihren besten Freund Lukas, Abiturientin und eine Künstlerin. So wie Familie eben nicht nur aus Mutter, Vater und Kind bestehen kann, sondern auch als Patchwork funktioniert oder wie im Falle von Sophie zunächst auch nur aus Sophie und ihrem Vater.

Fazit

Insgesamt würde ich Den Mund voll ungesagter Dinge jedem ans Herz legen. Denn eingebettet in eine grandiose Playlist (die ihr weiter unten auch findet, da der Verlag sie dankenswerterweise gleich auf Spotify zusammengestellt hat), finden wir eine toll geschriebene Geschichte über Freundschaft, Familie, Sexualität, Liebe und das Erwachsenwerden.

Die wichtigsten Fakten

Den Mund voll ungesagter Dinge von Anne Freytag - Cover

Autor: Anne Freytag
Titel: Den Mund voll ungesagter Dinge
Verlag: Heyne fliegt (Verlagsgruppe Random House)
Seiten: 400
ISBN: 978-3453271036
Erscheinungsdatum: 6. März 2017
Preis: 14,99€ (Broschiert)
Zusammenfassung: Wenn Sophie es sich aussuchen könnte, wäre ihr Leben simpel. Aber das ist es nicht. Und das war es auch nie. Das fängt damit an, dass ihre Mutter sie direkt nach der Geburt im Stich gelassen hat. Und endet damit, dass Sophies Vater plötzlich beschließt, mit seiner Tochter zu seiner Freundin nach München zu ziehen. Alle sind glücklich. Bis auf Sophie.
Was hat es bloß mit dieser verdammten Liebe auf sich? Sophie selbst war noch nie verliebt. Klar gab es Jungs, einsam ist sie trotzdem. 0Bis sie in der neuen Stadt auf Alex trifft. Das Nachbarsmädchen mit der kleinen Lücke zwischen den Zähnen, den grünen Augen und dem ansteckenden Lachen. Zum ersten Mal lässt sich Sophie voll und ganz auf einen anderen Menschen ein. Und plötzlich ist das Leben neu und aufregend. Bis ein Kuss alles verändert.
Link zum Buch

Weitere Infos und Links

Auf Spotify findet ihr die grandios Playlist zum Buch und auf der Verlagsseite noch weitere Infos zum Buch und Anne Freytag als Autorin, u.a. ihre Lesetermine zur Leipziger Buchmesse, die ich nun leider verpasse. Ich hätte das Buch sehr gern signiert hier gehabt.

 

[Gemeinsam lesen] „Die Traumknüpfer“ von Carolin Wahl

gemeinsam lesen

Ins Leben gerufen von Asaviel’s Bücher-Allerlei, wird die Aktion Gemeinsam Lesen mittlerweile von Schlunzenbücher fortgeführt. Ich habe dank der lieben maaraavillosa davon erfahren, die schon eine Weile dabei ist.

Jeden Dienstag gibt es vier zu beantwortende Fragen. Ziel ist es, zu erfahren, was andere gerade so lesen und sich auch mit anderen Buchblogs zu vernetzen.
Die Traumknüpfer von Carolin Wahl1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Seit Freitag lese ich „Die Traumknüpfer“ von Carolin Wahl, welches ich via instagram entdeckte und dann beim Heyne Verlag als Rezensionsexemplar anforderte. Wieder einmal eine gesunde Mischung aus „ohhhhh, das Cover ist toll“ und „das klingt Interessant.“ Dazu kommt, dass die Autorin und ich Namensvetterinnen sind und beide Geschichte studieren. Ja, sowas find ich immer amüsant.

Momentan bin ich auf Seite 193 und damit direkt am Beginn des 15. Kapitels mit dem Titel „Instinkte“.

 


2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Wolkenlied presste sich an die Hauswand und versuchte, möglichst lautlos zu atmen.

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

IMG_4231Es ist signiert! Nach der Lesung am Samstag auf der Buchmesse, reihte ich mich in die Signierschlange
ein. Signierte Bücher sind irgendwie etwas besonderes. Man erinnert sich an den Tag bzw. die Situation in der man es signiert bekam. Die Buchmesse wird mir auch deswegen in guter Erinnerung bleiben – drei signierte Bücher!

4. Bleiben eure Lieblingsbücher immer gleich oder gibt es Bücher, die ihr mal geliebt habt und jetzt nicht mehr, oder Bücher, die ihr mal nicht mochtet und jetzt liebt? Und welche Bücher sind das?

Je nach Lebensphase kann ich immer noch Lieblingsbücher nennen, die es vielleicht gerade nicht aktuell sind, aber wenn mich jemand jetzt fragen würde, welches Buch ich für ein 13jähriges Mädchen empfehlen würde, könnte ich spontan eines meiner Lieblingsbücher in diesem Alter nennen, dass ich auch heute noch empfehlen würde. Ich glaube Lieblingsbücher hat man in jeder Phase seines Lebens andere. Man entwickelt sich einfach weiter. Es gibt wenige, die einen wahrscheinlich das ganze Leben begleiten. Bei mir wäre das „Die Unendliche Geschichte“ oder auch die Bücher von Astrid Lindgren, die auch immer noch in meinem Bücherregal stehen.

Für den zweiten Teil: Auch hier ist es bei mir einfach altersabhängig. Ich habe beispielsweise mal „Herr der Ringe“ angefangen, nachdem ich „Der Hobbit“ verschlungen habe, aber kam einfach nicht auf einen grünen Zweig und habe es mit Kopfschütteln weggelegt. Jahre später habe ich es noch einmal probiert und dann sehr gut gefunden. Gleiches gilt für den zweiten Band der „Outlander“-Reihe von Diana Gabaldon, der doch recht geschichtslastig ist..da war ich damals einfach noch nicht bereit für.

Alles Liebe,

karo