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Erfurter Herbstlese

[Lesung] Benedict Wells – Vom Ende der Einsamkeit

Vor mehr als einem halben Jahr las und verloste ich anschließend Benedict Wells’ Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ und ich bin wohl nicht die einzige, die nachhaltig davon beeindruckt war. Umso mehr freute ich mich, dass die Erfurter Herbstlese ankündigte, dass er aus eben Roman lesen würde.

Der Leseabend mit Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells wird von Monika Rettig (Erfurter Herbstlese) vorgestellt.Gestern Abend war es dann so weit und man fand sich in der Buchhandlung Hugendubel am Erfurter Anger ein. Benedict Wells wurde wie immer sehr charmant von Monika Rettig, der Programmdirektorin der Erfurter Herbstlese, angekündigt und machte recht bald klar, dass für ihn das Talent nicht alles ist, sondern Glück und auch Wille eine sehr große Rolle spielen. Für mich spiegelt sich dies darin wieder, dass er – auf die Publikumsfrage wie er sich im Moment mit all dem Trubel und Lob fühlt – darauf verweist, dass er das wahrscheinlich erst in 2 Jahren realisiert haben wird, wenn der wirkliche Trubel abgeebbt ist. Nichtsdestotrotz kann er jetzt schon sagen, dass eigentlich alle Träume übererfüllt seien.

Benedict Wells liest aus "Vom Ende der Einsamkeit".Zwischen den einzelnen Lesestellen – insgesamt drei und ein kleiner – gab er Auskunft zu Schreibprozessen und zum Entstehungsprozess des Buches selbst. So sagt er, dass „Vom Ende der Einsamkeit“ aus ursprünglich ca. 800 Seiten bestand und dass es, aufgrund seines eigenen Willens ein sprachlich besonderes Buch zu verfassen, erst im Verlauf des redigierens auf den Umfang gekürzt wurde, den wir heute als Buch lesen können.
Diesen Prozess beschrieb er sehr treffend als „Jenga“ Spiel: Man zieht immer wieder Stellen wie Holzblöcke heraus und schaut dann, ob das Gerüst in diesem Zustand noch stehenbleibt. Ich würde sagen, und ich denke da werde ich Zustimmung finden, dass dies sehr gut gelungen ist und dass wir weder zu wenig noch zu viel Buch haben. Sein Fokus auf die Sprache ist dem Roman auch im Vergleich zu seinen anderen Romanen einfach anzumerken.

Sieben Jahre für ein Buch: Wie motiviert man sich da?

Bei einem Schreibprozess der sieben Jahre dauerte, erstaunt also nicht die Nachfrage, wie man sich über einen so langen Zeitraum wirklich motiviert. So vergleicht Wells seinen persönlichen Schreibprozess mit dem Tanken: Vor Beginn ist der Tank voll und der Idealfall ist für ihn, dass erst mit dem Ende der ersten Fassung der Sprit ausgeht. Es ist also durchaus verständlich, dass der Korrekturprozess ein langer ist; jede Korrekturphase beginnt mit neuer Motivation und neuem Sprit anstatt zwischendrin die Lust zu verlieren, weil man gleich im ersten Anlauf alles perfekt haben will. Dies mag bei anderen Autoren funktionieren, aber für Benedict Wells tut es das nicht.
Dadurch verändere sich der Roman im Korrekturprozess nochmal sehr stark. Aus einer halb amerikanischen Familie wurde so eine Familie mit einem französischen Elternteil und die Perspektive zwischendurch komplett verändert, nur um in der nächsten Fassung wieder zur ursprünglich ersten Fassung zurückzukehren.

sagt er als das Publikum auf die doch massiven Kürzungen zu sprechen kommt. Allerdings sieht er heute ein, dass es einfach notwendig war, da er vor allem Jules als Hauptfigur verpflichtet war und nicht dem potentiellen Leser. Darum sind alle Lücken, die auch durch die Einteilung in den 5-Jahres-Rhythmus zustande kommen – eine bewusste Entscheidung, die vor allem dem Roman dient. Nichtsdestotrotz schmerzen ihn einige Streichungen heute noch auch wenn er weiß, dass sie richtig waren.

Wie schafft man es über einen solch langen Zeitraum mit einem solch schwierigen Thema umzugehen?

Bei seiner Antwort konnte man rundherum Nicken wahrnehmen und auch für mich ist dies eine Art Lebensmotto.

Auch zu seinem eigenen Lebensweg wurde er befragt. Von meiner Seite aus die Frage wieso er sich damals für Berlin entschied obwohl die Stadt „damals“ – auch nach seiner eigenen Aussage – noch nicht so hip war, wie sie es heute ist. Die Antwort ist ganz einfach: Berlin war weit weg von München und günstig. Man konnte auch mit nur einen Nebenjob leben und sich dem Schreiben widmen. Durch die Einführung von Frau Rettig ergab sich auch die Frage, ob er denn selbst für sich ein Studium noch in Betracht zieht und was dies sein könnte.

„Die besten Lehrer sind die besten Bücher.“, sagt Benedict Wells treffenderweise in seiner Begründung wieso er sich – wo es doch so nahe läge – nicht für ein Literaturstudium entscheiden würde. Allerdings ist ein Studium nicht komplett ausgeschlossen, auch wenn er sich mittlerweile zwischen einer Gruppe 19-jähriger doch etwas zu alt fühlen würde, auch wenn man es ihm nicht ansähe.

Benedict Wells und ich. Schlussendlich möchte ich dem Diogenes-Verlag danken, dass sie Benedict Wells die Chance der Publikation gaben und ihm selbst damit auch einen Lebenstraum erfüllt haben, denn über die Bücher John Irvings entwickelte sich bei Benedict Wells der Wunsch bei genau diesem Verlag zu publizieren. Dadurch wurde nicht nur mir ein Abend ermöglicht, der viel über Benedict Wells – einen bescheidenen und symphathischen Autor – selbst verriet, aber auch sehr unterhaltsam war. Im Anschluss nahm er sich viel zeit für Signierwünsche und noch offene Fragen und so konnten auch wir noch ein Rätsel lösen, welches uns seit April beschäftigte. Auch ein Foto machten wir noch.

Und ein besonderer Pluspunkt: Er liest gern Literaturblogs. In diesem Sinne: Vielleicht Herzlich Willkommen hier, Benedict Wells :)

Wer noch nicht über „Vom Ende der Einsamkeit“ weiß, dem sei die Rezension der lieben maaraavillosa  ans Herz gelegt, die ihr unter diesem Link findet.

Erfurter Herbstlese: (M)ein Rückblick

Drei Lesungen standen in diesem Jahr auf meinem Plan für die Erfurter Herbstlese: Ilja Trojanow (), Rafik Schami und Jenny Erpenbeck () Da nun alle Lesungen gehört und (fast) alle Bücher gelesen sind und sogar schon das Programm für die kommende Frühjahrslese steht, kommt hier ein kurzes Resumé.

Erfurter Herbstlese - Ilja Trojanow

Erfurter Herbstlese – Ilja Trojanow las in der Buchhandlung Hugendubel am Anger

Ilja Trojanow

…habe ich nun zum zweiten Mal bei einer Lesung erlebt und werde wohl auch ein drittes Mal eine Karte kaufen, sollte sich die Gelegenheit bieten.
Als witzigen und schlagfertigen Leser habe ich ihn schon beim ersten Mal in Erinnerung und das fand ich auch dieses Mal wieder.
Sein Buch „Macht und Widerstand“ habe ich immer noch nicht gelesen, werde es aber wohl meinem Freund zu Weihnachten schenken (und dann hoffentlich selbst in den Genuss kommen es zu lesen..selbstlose Geschenke kann ich gut..). Ich freue mich vor allem auf die den von Trojanow angekündigten Metodi, der oft durch seine nicht ganz jugendfreie Wortwahl auffallen soll.

Fazit: Gerne noch ein drittes Mal, Herr Trojanow.

Erfurter Herbstlese - Rafik Schami

Erfurter Herbstlese – Rafik Schami begeisterte die Zuhörer im Erfurter Kaisersaal.

Rafik Schami

…wird mir wohl sehr sehr lange in Erinnerung bleiben.

Er hat es geschafft einen ganzen Abend die Geschichte seines Buches zu erzählen, die doch immer etwas komplizierten Erzählstränge kurz aufs Wartegleis zu schieben (Sein Satz „Ich komme darauf zurück“ brachte irgendwann das ganze Publikum zum lachen) und am Ende die ganze Geschichte von Sophia auf den Punkt zu bringen. Eingestreut wurden Dinge zum politischen System Syriens, die nachdenklich machen, ob das, was die Bundesrepublik Deutschland gerade macht, überhaupt funktionieren kann.

Meine Ausgabe des Buches bekam ich bereits vor der Lesung signiert (Aussage des Autors: „Dann komme ich hinterher schneller zum Essen.“) und vor allem meine Markierungsklebchen fanden Anklang. Im Anschluss hielt mir das ZDF noch ein Mikrofon und eine Kamera vors Gesicht

Fazit: Der Erfurter Kaisersaal beschert mir immer wieder tolle Leseabende.

Erfurter Herbstlese - Jenny Erpenbeck

Erfurter Herbstlese – Jenny Erpenbeck las im etwas zu warmen Luthersaal des Erfurter Augustinerklosters.

Jenny Erpenbeck

…bildete den Abschluss meiner diesjährigen persönlichen Herbstlese und las aus ihrem Buch „Gehen, ging, gegangen“.

Leider war es aufgrund äußerer Umstände (wieso fallen in einer Lesung ca. 5 Mal irgendwelche Weingläser im Publikum um? Und wieso war es so warm in dem Saal?) etwas schwierig zu folgen. Zudem hatte ich das Gefühl, dass der Moderator versuchte sie durch manche Fragen in die Ecke zu drängen und einen falschen Eindruck zu vermitteln. Dies wurde mir erst bewusst, als ich das Buch im Nachhinein gelesen hatte. So fragte der Moderator, ob sich die Hauptfigur Richard nicht irgendwie über die Asylbewerber im Buch stellt, wenn er ihnen die Namen von griechischen Gottheiten gibt. Als ich davon das erste Mal hörte, war ich etwas entsetzt, da der Eindruck entstand, dass Richard dies mit allen tut – tut er aber nicht. Ich würde sogar sagen, dass die wenigsten Asylbewerber auf diese Weise noch einen zweiten Namen erhalten und es nicht passiert, weil er sich über sie erheben will, sondern weil es für ihn Gewohnheit ist mit Sagen und Mythen zu arbeiten. Das passiert nicht, weil er sich nicht die Namen merken kann oder sie nicht auseinander halten kann. Durch die Lesung (oder eher: Die Moderation) entstand für mich ein Eindruck, der mich – hätte ich das Buch nicht schon auf dem Kindle gehabt – vom Lesen abgehalten hätte.

Allerdings liest Jenny Erpenbeck hervorragend und der kleine Berliner Dialekt, der vielleicht für andere gar nicht hörbar ist, macht mich glücklich. Vielleicht schreibe ich daher nochmal zu einer anderen Zeit über dieses Buch, denn das ist wirklich wichtig und durch die momentanen Entwicklungen von unschätzbarem Wert.

Fazit: Ich bin dankbar, dass Buch gelesen zu haben, auch wenn die Moderation (und die äußeren Umstände) mich davon abhalten wollten.

Erfurter Herbstlese reloaded: Frühlingslese 2016

Ich werde jetzt in Ruhe durch das Programm der Frühlingslese stöbern und mich auf das Bücherjahr 2016 freuen.

Nils Schumann (hey, ich hab nen Leichtathleten daheim ^^), Jakob Hein und Richard Dawkins sprechen mich bisher am meisten an. Mal sehen was noch so dabei ist.

[Lesung] Kerstin Gier – Silber

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Die Erfurter Herbstlese gehört mittlerweile fest zu meinem Jahresprogramm dazu. Vier Lesungen sind es diesmal, die ich mir anhören werde.

Eröffnet wurde die Saison mit der Lesung von Kerstin Gier. Ein Aula eines Erfurter Gymnasium gefüllt mit zumeist weiblichen Teenies erwartete mich.. Man ahnte ja schlimmes ^^

Aber: Ich habe noch nie bei einer Lesung so viel gelacht. Kerstin Gier ist überaus sympathisch und das nicht nur weil sie sogar ausgedruckte Bilder ihrer Inspirationen (Ich sage nur Rasierspaß Ken.. wer ihr neustes Buch „Silber“ schon gelesen hat, weiß was ich meine..) dabei hat.. Sie hat von ihren eigenen Schulerinnerungen erzählt, die beim Besuch des Gymnasiums wach wurden, hat von ihrer Familie und ihrer Art zu Schreiben berichtet und zwischendurch einfach immer wieder Passagen aus „Silber“ gelesen. Schade, dass sie in der Hörbuch-Version nicht selbst liest :)

Ich glaube der Vorteil der Lesung war, dass wirklich so viele Jugendliche anwesend waren. Bei der üblichen Fragerunde im Anschluss an die Lesung, wurden endlich auch mal Fragen gestellt. Bei „Erwachsenenlesungen“ traut sich irgendwie immer keiner.. Die Stimmung war insgesamt einfach lockerer.

Auf jeden Fall hoffe ich, dass ich nochmal die Möglichkeit bekomme zu einer ihrer Lesungen zu gehen.. und dann möchte ich auch mein Buch signiert haben. Diesmal hat mir die Geduld gefehlt, denn insgesamt hat sie wohl 1 1/2 Stunden signiert. Vielleicht ist sie ja nächstes Jahr wieder dabei und liest dann aus dem zweiten Band von „Silber“.

Fotos und andere Berichte gibt es auch hier und hier zu lesen.