[Rezension] Amanda Palmer – The Art of Asking

momentaufnahmen_2016-Feb.-09The Art of Asking begleitete mich einige Tage und verleitete mich sogar dazu, beim Laufen zu lesen. Das schaffen nicht alle Bücher.

Als Mitbegründerin der Dresden Dolls wurde Amanda Palmer bekannt, auch wenn sie momentan als Solokünstlerin unterwegs ist, kollaboriert sie immer wieder  auch mit anderen Künstlern.
Ihr Buch „The Art of Asking“ ist eigentlich als Biografie beschrieben, aber irgendwie doch so viel mehr. Im September 2015 erschien beim Eichborn Verlag die deutsche Fassung des Buches; ich habe die englische Edition von Grand Central Publishing auf dem Kindle gelesen.

Die Hintergründe

Das Buch beginnt mit Amandas Weg zur Künstlerin und erzählt Episoden und Anekdoten aus ihrem Leben. Kernthese ist, dass man alles im Leben erreichen kann, wenn man nach Hilfe fragt und sie auch annimmmt. Sie selbst lernte dies auch durch ihre Tätigkeit als lebende Statue in Boston, die sie nach dem Studium entdeckte. Diese Tätigkeit sieht sie als Kunstform an und argumentiert mit ihrer Beschreibung gegen die gängige Annahme, dass solche Darsteller in die Kategorie Bettler gesteckt werden; sie bietet dem Zuschauer damit Kunst, für die sie Geld bekommt.
Sie beschreibt auch, wie sie über Jahre hinweg ein Netzwerk an Fans aufgebaut hat, und dieses Netz auch immer um Hilfe gebeten hat – Übernachtungsmöglichkeiten, Auftrittsmöglichkeiten, Essen. Ganz banale Dinge sind es manchmal, bei denen ihr Umfeld doch den Kopf schüttelt und sie als „zu vetrauensselig“ abstempelt.
Zwei wichtige Personen, die sie auf ihrem Lebensweg begleiten sind Antony und Neil. Ersterer ist ein langjähriger Freund (über dessen Leukämie Erkrankung sie auch im Buch spricht) und zweiterer wird ihr Ehemann. An dieser Stelle ist es für mich überraschend, dass es sich um Neil Gaiman – ja, der Autor – handelt. Ich wusste das vorher nicht.. Von beiden Personen nimmt sie Hilfe an bzw. muss erst lernen diese Hilfe (vor allem finanziell) anzunehmen.

The Art of Asking – Meine Meinung

Wenn ich mir die Rezensionen auf goodreads ansehe, fällt mir auf, dass dort einige Kritiken genau das widerspiegeln, was sie selbst im Buch auch anspricht – sie sei selbstverliebt und verdiene die Aufmerksamkeit ja gar nicht und überhaupt wäre sie jetzt nur berühmt, weil ihr Mann Neil Gaiman ist.
Ich selbst habe mich während des Lesens auch bei diesem Gedanken ertappt, aber dann einfach in Ruhe noch einmal reflektiert: Amanda Palmer mag für manch einen nicht die sympatischste Frau der Welt sein. Jedoch spricht sie – meiner Ansicht nach – ehrlich von ihren Zweifeln. Die Bemerkungen der Leser gehen nämlich genau in die Richtung, in die ihre eigene Fraud Police (nähere erklärt im untenstehenden Zitat) auch schon geht. Die Selbstzweifel, die dadurch entstehen, sind oft tiefgehender als jede eigentlich Unfähigkeit. Man sollte also einfach einmal mehr zurücktreten, reflektieren und dann eine Meinung äußern. Einen Teil der Authentizität macht für mich auch der Schreibstil aus, denn der ist nicht mahnend oder besserwisserisch, sondern vermutlich einfach so, wie sie ihre Geschichte auch jemandem 1:1 im Gespräch erzählen würde. Dadurch liest sich das ganze Buch auch sehr flüssig.

The Fraud Police are the imaginary, terrifying force of “real” grown-ups who you believe—at some subconscious level—are going to come knocking on your door in the middle of the night, saying: We’ve been watching you, and we have evidence that you have NO IDEA WHAT YOU’RE DOING. You stand accused of the crime of completely winging it, you are guilty of making shit up as you go along, you do not actually deserve your job, we are taking everything away and we are TELLING EVERYBODY.

Beim autobiografischen Teil des Buches, gefällt mir der Aspekt, wie sie mit Hilfe des Internets ein Netzwerk geschaffen hat. Man hört immer wieder, dass das doch alles keine richtigen Menschen sind, die da in den sozialen Netzwerken rumschwirren. Amanda Palmer zeigt jedoch genau das Gegenteil, was ich auch selbst in dieser Welt so erlebt habe: Menschen, die ihre Hilfe anbieten und die man annehmen kann. Im Gegenzug dazu, kann man vielleicht selbst einmal seine Hilfe anbieten. Man sieht wie sie ihren Weg macht und aufgrund dieses Netzwerkes auch als Künstlerin wächst.

Asking is like courtship; begging, you are already naked and panting.

The Art of Asking ist für mich insgesamt eine wundervolle Mischung aus Autobiografie und Lebensweisheit. Mit viel Material zum Nachdenken über zwischenmenschliches; Über das Geben und Annehmen. Ja, für mich hat „geben und nehmen“ tatsächlich durch dieses Buch einen negativen Anstrich bekommen. „Nehmen“ wirkt wie betteln oder stehlen. „Annehmen“ hingegen ist was, was Amanda Palmer uns lehrt.

The Art of Asking CoverAutor: Amanda Palmer
Titel: The Art of Asking
Seiten: 448
ISBN: 978-3847905974
Zusammenfassung: Um Hilfe zu bitten fällt uns oft schwer, weil wir Angst haben, schwach und bedürftig zu scheinen. Eine völlig falsche Sichtweise, meint Amanda Palmer. Die Musikerin ist eine wahre Expertin darin, sich helfen zu lassen, bat sie doch bei unzähligen Gelegenheiten um die Unterstützung ihrer Fans. Dabei hat sie erfahren, dass der ausgetauschte Gefallen stets für beide Seiten ein Gewinn ist. Wer um Hilfe bittet, zeigt sich zwar verletzlich, erhält aber auch die Chance, Vertrauen zu beweisen und Beziehungen aufzubauen. Amanda Palmer hat ein großes Buch über Menschlichkeit geschrieben; über Ängste und Schwächen und über die Kraft der Güte und des Vertrauens.
Link zum Buch

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