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Rezension

[Rezension] Anne Freytag – Den Mund voll ungesagter Dinge

Den Mund vollungesagter DingeAls Überraschungspost bekam ich vor kurzem den neuen Roman von Anne Freytag Den Mund voll ungesagter Dinge zugesandt, welches heute erscheint, und bin dem Heyne Fliegt Verlag (der zur Verlagsgruppe Random House gehört) sehr dankbar.

Vor fast genau einem Jahr berichtete ich an dieser Stelle schon über Mein bester letzter Sommer und ich freue mich fast noch ein bisschen mehr über Den Mund voll ungesagter Dinge.

Aber nun noch ein paar Infos vorweg, bevor ich euch sage, wieso ich dieses Buch so wichtig und lesenswert finde.

Zum Inhalt

Sophie ist 17 Jahre alt, steht kurz vor dem Abitur und lebt mit ihrem Vater in Hamburg..zumindest bis dieser entscheidet, noch vor Sophies Schulabschluss anch München zu seiner neuen Freundin nach München zu ziehen. Fast 800km entfernt von allem, was bisher ihr Leben ausgemacht hat und ohne viel Gepäck, wird Sophie in eine neue Familie mit Mutter, zwei Söhnen und Hund verpflanzt. Wem würde das schon gefallen? Zumal ihr bester Freund Lukas in Paris lebt und dort einen neuen Weg geht. Doch dann taucht Alex auf – die Tochter der Nachbarn – und ist mit ihren grünen Augen und der kleinen Zahnlücke die Person, die Sophie das erste Mal in München wieder lachen lässt…

Und sie ist hübsch, aber auf eine menschliche, intelligente Art. Bis auf ihre dunklen Brauen ist sie einfarbig, sogar kontrastlos, aber das macht sie nicht weniger schön. Alex ist unkonventionell und kühl, und gleichzeitig total lebendig.

Anne Freytag Den Mund voll ungesagter Dinge, S. 80

Den Mund voll ungesagter Dinge – Meine Meinung

Romane über das Erwachsenwerden scheint es zu Hauf zu geben, aber es gibt immer noch zu wenige – meiner Meinung nach – die vom Normierten abweichen; die vom typischen boy meets girl abweichen. Den Mund voll ungesagter Dinger füllt hier eine Lücke; zeigt uns, dass Erwachsenwerden eben nicht nur aus Konflikten mit Eltern und Freunden bestehen kann, sondern für einen nicht kleinen Teil der Menschheit eben auch aus Verwirrung und dem Herausfinden des eigenen Selbst, welches – auch für einen nicht sehr kleinen Teil der Menschheit – von der „Norm“ abweicht. Melanie Raabe sagt an dieser Stelle genau das, was ich mir auch beim Lesen dachte:

„Als mir klar wurde in welche Richtung der Roman sich inhaltlich entwickeln würde, hätte ich beinahe laut gejubelt.“

Quelle

Denn genauso ist es. Wir durchleben nicht nur Sophies eigene Welt, sondern durch ihre Augen auch die Umwelt – die Eltern, der Freundeskreis und manchmal auch einfach die Blicke unbekannter Menschen am Ufer der Isar. Es lässt einen vielleicht drüber nachdenken, wie viele Menschen im eigenen Umfeld solche Blicke hätten, die Augenbrauen hochziehen würden und eventuell sogar den Kopf schütteln würden. Und auch wenn es mir nicht schmeckt: Ich selbst kenne solche Menschen.
Anne Freytags Schreibstil macht es uns leicht, uns in Sophie hineinzuversetzen und die Geschichte reißt einen so mit, dass man das Buch nur schwer wieder zur Zeit legen kann. Man hofft und bangt und man weint vielleicht auch Rotz und Wasser. Und ich freue mich, wenn ein Buch so etwas bei mir schafft; mich mitzureißen und so viel mit diesen Figuren auf dem Papier zu leiden.

Aber jetzt weiß ich, dass es nicht nur eine Antwort gibt. Genauso wie es nicht nur ein tolles Lied gibt. Oder ein gutes Essen. Oder ein schönes Land. Ich glaube, ich hab’s jetzt verstanden…ich bin nicht nur eine Sache. Ich bin tausend Sachen.

Anne Freytag Den Mund voll ungesagter Dinge, S. 394

Wenn man sich dieses Zitat anschaut, dass Anne Freytag einer 17jährigen in den Mund legt, kann man vielleicht selbst nochmal in sich gehen und sich klar werden, dass es genau so ist. Und dann hat man auch als 30jährige noch etwas gelernt von einem Roman, für den man vielleicht nicht so offensichtlich die Zielgruppe ist. Literatur kann sowas. Es zeigt uns, dass jeder in irgendeiner Weise sein Päckchen zu tragen hat und dass dieses Päckchen vielleicht gerade in der Zeit des Erwachsenwerdens auch eine Persönlichkeit formen kann.
Und doch ist es nicht das einzige was einen ausmacht. So ist Sophie nicht nur Alex‘ Freundin, sondern auch die neue große Schwester, die geliebte Tochter ihres Vaters, eine neue Tochter für ihre „Stiefmutter“, diejenige, die den Hund erst richtig aus sich herausholt, das „Flittchen“ für ihren besten Freund Lukas, Abiturientin und eine Künstlerin. So wie Familie eben nicht nur aus Mutter, Vater und Kind bestehen kann, sondern auch als Patchwork funktioniert oder wie im Falle von Sophie zunächst auch nur aus Sophie und ihrem Vater.

Fazit

Insgesamt würde ich Den Mund voll ungesagter Dinge jedem ans Herz legen. Denn eingebettet in eine grandiose Playlist (die ihr weiter unten auch findet, da der Verlag sie dankenswerterweise gleich auf Spotify zusammengestellt hat), finden wir eine toll geschriebene Geschichte über Freundschaft, Familie, Sexualität, Liebe und das Erwachsenwerden.

Die wichtigsten Fakten

Den Mund voll ungesagter Dinge von Anne Freytag - Cover

Autor: Anne Freytag
Titel: Den Mund voll ungesagter Dinge
Verlag: Heyne fliegt (Verlagsgruppe Random House)
Seiten: 400
ISBN: 978-3453271036
Erscheinungsdatum: 6. März 2017
Preis: 14,99€ (Broschiert)
Zusammenfassung: Wenn Sophie es sich aussuchen könnte, wäre ihr Leben simpel. Aber das ist es nicht. Und das war es auch nie. Das fängt damit an, dass ihre Mutter sie direkt nach der Geburt im Stich gelassen hat. Und endet damit, dass Sophies Vater plötzlich beschließt, mit seiner Tochter zu seiner Freundin nach München zu ziehen. Alle sind glücklich. Bis auf Sophie.
Was hat es bloß mit dieser verdammten Liebe auf sich? Sophie selbst war noch nie verliebt. Klar gab es Jungs, einsam ist sie trotzdem. 0Bis sie in der neuen Stadt auf Alex trifft. Das Nachbarsmädchen mit der kleinen Lücke zwischen den Zähnen, den grünen Augen und dem ansteckenden Lachen. Zum ersten Mal lässt sich Sophie voll und ganz auf einen anderen Menschen ein. Und plötzlich ist das Leben neu und aufregend. Bis ein Kuss alles verändert.
Link zum Buch

Weitere Infos und Links

Auf Spotify findet ihr die grandios Playlist zum Buch und auf der Verlagsseite noch weitere Infos zum Buch und Anne Freytag als Autorin, u.a. ihre Lesetermine zur Leipziger Buchmesse, die ich nun leider verpasse. Ich hätte das Buch sehr gern signiert hier gehabt.

 

[Rezension] Zwei Jugendbücher: „Nur drei Worte“ und „Anna und der Schwalbenmann

Direkt nacheinander las ich „Nur drei Worte“ und „Anna und der Schwalbenmann“, die beide als Jügendbücher ab 14 Jahre empfohlen sind; da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Wieso trotzdem beide für diese Altersgruppe empfehlenswert sind, möchte ich jetzt berichten. Dazu jedoch erst einmal eine kurze Rezension für beide Bücher getrennt.

Nur drei Worte – Zum Inhalt

Simon und Blue schreiben eMails, wie es Teenager so tun. Immer detaillierter und persönlicher werden die Mails und Simon hat das Gefühl Blue immer besser zu kennen. Beide wissen, dass sie die selbe Schule besuchen, aber kennen ihre wahren Identitäten nicht. Ein Geheimnis verbindet die beiden und dieses wird „bedroht“, als Simon vergisst sich auszuloggen und jemand diesen eMailaustausch mit Blue mitliest.. Die Geschichte wird aus Simons Sicht erzählt; immer mal wieder durch einige eMails unterbrochen, die uns zeigen, wie sich die Beziehung zwischen ihm und Blue entwickelt.

Nur drei Worte – Meine Meinung

Im Verlauf des Buches sehen wir wie Simon in seiner Umwelt agiert, wie sich Freundschaften entwickeln und wie die eMail-Freundschaft mit Blue ihren Lauf nimmt. Wir sehen, wie alles auf das „unvermeidliche“ hinausläuft: Simons Coming-Out, dass nicht so verläuft, wie er es sich wahrscheinlich immer vorgestellt hat.

Man sollte meinen, dass es selbstverständlich sein sollte, eine Geschichte über die erste Liebe auch für den Fall eines homosexuellen Jugendlichen zu berichten. Ist es aber nicht (es seidenn mir sind die anderen hundert Werke mit diesem Thema entgangen, die aber wohl nie so berühmt sein werden wie die heterosexuellen Liebesgeschichten der aktuellen Jugendliteratur).

Allein schon dieser Fakt macht „Nur drei Worte“ lesenswert, auch wenn ich mich schon während des Lesens immer wieder beim Gedanken ertappte, dass unsere Gesellschaft es immer noch unendlich schwer macht, wenn jemand eben doch aus der „Norm“ fällt. Daher finde ich Simons Vorschlag doch schon recht passend:

Es ist definitiv nervig, dass hetero (und auch weiß, wo wir schon dabei sind) die Norm ist und dass nur diejenigen, die nicht in diese Form passen, sich Gedanken über ihre Identität machen müssen. Heteros sollten sich auf jeden Fall outen müssen, und je peinlicher, desto besser.

Genau dieser Punkt macht es notwendig, dass ein Buch wie „Nur drei Worte“ existiert. Simon möchte nicht nur über seine Sexualität gesehen werden und doch drückt ihm die Gesellschaft dies immer noch auf. Er sollte sich nicht erklären müssen; er sollte nicht jedem mitteilen müssen, wie seine sexuelle Orientierung aussieht.

Dadurch, dass man einen guten Einblick in seine Seelenwelt bekommt, kommt auch diese Verbundenheit auf, die man sich immer mit Hauptcharakteren wünscht. Man spürt seine Verzweiflung und seine Freude auf gleiche Weise. Auch seine Gedankengänge sind sehr gut nachvollziehbar. Davon abgesehen ist Simons Familie einfach nur sympathisch – vielleicht ein wenig ungewöhnlich, aber definitiv sympathisch.

Eine Textstelle sprach mir direkt aus der Seele, weil ich das sehr gut kenne:

Nicht an etwas denken zu wollen ist wie dieser alberne Spielautomat Whac-A-Mole – jedes Mal, wenn man einen Maulwurf oder Gedanken wegdrückt, kommt anderswo ein ein anderer an die Oberfläche.

Weitere Infos

Nur drei Worte - CoverAutor: Becky Albertalli
Titel: Nur drei Worte
Übersetzung: Ingo Herzke
Seiten: 320
ISBN:  978-3-551-55609-7
Zusammenfassung: Was Simon über Blue weiß: Er ist witzig, sehr weise, aber auch ein bisschen schüchtern. Und ganz schön verwirrend. Was Simon nicht über Blue weiß: WER er ist. Die beiden gehen auf dieselbe Schule und schon seit Monaten tauschen sie E-Mails aus, in denen sie sich die intimsten Dinge gestehen. Simon spürt, dass er sich langsam, aber sicher in Blue verliebt, doch der ist noch nicht bereit, sich mit Simon zu treffen. Dann fällt eine der E-Mails in falsche Hände – und plötzlich steht Simons Leben Kopf.
Link zum Buch

Anna und der Schwalbenmann – Zum Inhalt

Im Herbst 1939 ist Anna in Krakau allein mit ihrem Vater, der an der Akademie arbeitet und ihr vor allem seine Liebe zu Sprachen vermittelt. Als ihr Vater gefangen genommen wird, trifft Anna durch einen Zufall auf den mysteriösen Schwalbenmann, der sie mitnimmt und Krakau verlässt. Auf der Flucht durch Polen und die Sowjetunion treffen die beiden noch auf einen weiteren Mann, der sich ihrer Gruppe anschließt. Anna legt ihren Namen ab und wächst immer weiter zu einer jungen Frau heran. Der Schwalbenmann wird für außenstehende ihr Vater und ist gleichzeitig auch ihr Lehrer – die Flucht trifft Anna unvorbereitet doch mit Hilfe des Schwalbenmannes lernt sie vor allem praktische Dinge.

Anna und der Schwalbenmann – Meine Meinung

Unvermittelt wird Anna in eine Welt geworfen, in der sie auf der Flucht ist und in der alles zur potentiellen Gefahr wird. Da sie sehr jung ist, arbeitet der Schwalbenmann vorrangig mit Bildern, mit denen er ihr die Welt erklärt, die gerade aus den Fugen gerät.

Soldaten sehen aus wie junge Männer. Aber das sind sie nicht. Die, die von Westen kommen – sie sind Wölfe. Und die, die von Osten kommen, sind Bären. …die Wölfe und Bären mögen keine Menschen und wenn sie einen Grund finden, dir weh zu tun, dann tun sie es….wenn du ihnen weismachst, dass du, wie sie, kein Mensch bist, sondern ein verkleideter Wolf oder Bär, dann lassen sie dich ziehen.

Sprache ist das anfängliche Bindungsglied zwischen Anna und dem Schwalbenmann. Sie hat all dies von ihrem Vater gelernt und bei der ersten Begegnung mit dem Schwalbenmann, antwortet sie diesem mit verschiedenen Sprachen auf seine Antworten und bekommt so seine Aufmerksamkeit.

Diese Sprache ist es auch, die Annas Vater von ihr trennt. Als Intellektueller wird er verhaftet und verschwindet für Anna, die derweil bei Dr. Fuchsmann auf ihn wartet und der sie später einfach vor die Tür setzt, spurlos.

Für Jugendliche, die noch wenig Wissen zum Thema Zweiter Weltkrieg haben, müssten im Hintergrund einige Lücken geschlossen werden, da es in diesem Roman nicht vordergründig darum geht die voranschreitende Invasion Polens zu vermitteln, sondern eher das Gefühl der Flucht und Vertreibung. Diese Aufarbeitung von Gefühlen, bringt das Thema „Krieg“ wahrscheinlich näher an Jugendliche heran, als es Tatsachenberichte können: Zahlen und Fakten sind für manche schwer zu fassen und einzuordnen, aber das Gefühl plötzlich über jedes Paar neue Schuhe nachdenken zu müssen? Im Winter kaum Essen zu finden? Das sollte jeder Jugendliche nachvollziehen können. Die grausamen Bilder des Krieges sind war präsent, aber durch die Sprache – in meinen Augen – nicht zu hart für 14jährige.

Weitere Infos

Anna und der Schwalbenmann - CoverAutor: Gavril Savit
Titel: Anna und der Schwalbenmann
Übersetzung: Sophie Zeitz-Ventura
Seiten: 272
ISBN:  978-3-570-16404-4
Zusammenfassung: Krakau, 1939. Anna ist noch ein Kind, als die Deutschen ihren Vater mitnehmen, einen jüdischen Intellektuellen. Sie versteht nicht, warum. Sie versteht nur, dass sie allein zurückbleibt. Und dann trifft Anna den Schwalbenmann. Geheimnisvoll ist er, charismatisch und klug, und ebenso wie ihr Vater kann er faszinierend viele Sprachen sprechen. Er kann Vogellaute imitieren und eine Schwalbe für sie anlocken. Und er kann überleben – in einer Welt, in der plötzlich alles voller tödlicher Feindseligkeit zu sein scheint. Anna schließt sich dem Schwalbenmann an, lernt von ihm, wie man jenseits der Städte wandert, sich im Wald ernährt und verbirgt. Wie man dem Tod entkommt, um das Leben zu bewahren. Aber in einer Welt, die am Abgrund steht, kann alles gefährlich werden. Auch der Schwalbenmann.
Link zum Buch

Ein Gesamtfazit; oder auch: Wieso beide gleichermaßen lesenswert für Jugendliche sind

Im Vergleich unterscheiden sich beide in ihren Themen und in ihrem Schreibstil. Während „Nur drei Worte“ deutlich jugendlicher daher kommt, besticht „Anna und der Schwalbenmann“ durch eine schon fast poetische Sprache und sehr bildhafte Beschreibungen.

Und doch sind beide gleichermaßen wichtig für Jugendliche: Die Vergangenheit gehört (auch in Anbetracht momentaner politischer Entwicklungen) immer wieder besprochen und der Jugend auch auf literarische Weise nahegebracht. Aber auch für unsere gemeinsame Zukunft gibt es noch viel zu tun. Menschen mit LGBTQIA-„Hintergrund“ sollten sich nicht rechtfertigen müssen; sollten nicht durch die brennenden Reifen eines Coming-Out springen müssen, um dann Klischees und Diskriminierung gegenüber zu stehen. Und wenn ich mich in meinem Umfeld manchmal so umschaue, dann sind wir da noch lange nicht, auch wenn es für manche nur kleine spaßige Bemerkungen sein mögen. Ich selbst bin immer offen mich auch sprachlich an solche Probleme anzupassen und – sollte jemandem hier ein sprachliches Problem auffallen – lasse mich immer gern auch belehren, wenn bestimmte Schreibweisen oder Begriffe nicht funktionieren.

Gleichermaßen sollte man sehen, ob eine gewisse persönliche Reife oder ein generelles Interesse an den Themen besteht, denn „Anna und der Schwalbenmann“ mag mit seiner bildhaften Sprache nicht für jeden 14jährigen/jede 14jährige gleichermaßen geeignet sein. Genauso sollte man einen Jugendlichen nicht zu „Nur drei Worte“ überreden, wenn er bereits voller Vorurteile steckt.

[Rezension] Die rote Königin – Victoria Aveyard

FullSizeRender „Die rote Königin“ (engl. Red Queen) ist der erste Teil der Trilogie „Die Farben des Blutes“ von Victoria Aveyard und ich habe es – als die deutsche Version von Netgalley vor kurzem ans Netz ging – als Rezensionsexemplar im eBook Format bekommen.

Angezogen wurde ich vor allem von einer Mischung aus Cover und Klappentext – das Cover ist einfach anziehend und der Klappentext mit seinem Setting hat mich auch angezogen. Potentiell bin ich ja immer für Dinge à la „Tribute von Panem“ oder auch „Throne of Glass“ zu haben.

Die Autorin ist Victoria Aveyard, die nach erfolgreichem Studium als Drehbuchautorin mittlerweile als freie Autorin arbeitet. „Die rote Königin“ ist ihr Debutroman und erschien 2015; die Fortsetzung ist im englischen Original auch schon erschienen. Für den deutschen zweiten Teil muss man sich noch bis Juli 2016 gedulden.

Zum Inhalt

Rot oder Silber – Mares Welt wird von der Farbe des Blutes bestimmt. Sie selbst gehört zu den niederen Roten, deren Aufgabe es ist, der Silber-Elite zu dienen. Denn die – und nur die – besitzt übernatürliche Kräfte. Doch als Mare bei ihrer Arbeit in der Sommerresidenz des Königs in Gefahr gerät, geschieht das Unfassbare: Sie, eine Rote, rettet sich mit Hilfe besonderer Fähigkeiten! Um Aufruhr zu vermeiden, wird sie als verschollen geglaubte Silber-Adlige ausgegeben und mit dem jüngsten Prinzen verlobt. Dabei ist es dessen Bruder, der Thronfolger, der Mares Gefühle durcheinander bringt. Doch von jetzt an gelten die Regeln des Hofes, Mare darf sich keine Fehler erlauben. Trotzdem nutzt sie ihre Position, um die aufkeimende Rote Rebellion zu unterstützen. Sie riskiert dabei ihr Leben – und ihr Herz …

Klappentext via Carlsen.de

Das Konzept ist also recht einfach und man findet schnell einen Einstieg in diese Welt – Mare steht dabei aufgrund ihres Blutes auf der Seite der Roten, wie auch ihre gesamte Familie, die diesem Schicksal ausgeliefert ist. Wir bewegen uns auch hauptsächlich in diesen zwei Gefilden: Mares Familie auf der roten Seite und die Königsfamilie auf der silbernen Seite, die besondere Kräfte besitzt und dadurch die Herrschaft hat. Viel mehr sage ich auch an dieser Stelle gar nicht zum Inhalt, denn dann müsste ich ein etwas komplexeres Feld von Charakteren aufmachen und es soll dem Leser selbst überlassen sein, die Charaktere dieses Buchs selbst kennenzulernen.

Die rote Königin – Meine Meinung

Wie bei einem Auftakt so üblich, führt uns „Die rote Königin“ vornehmlich in die Welt aus der Sicht von Mare ein; ihr Weg von der roten in die silberne Welt und die Scharlachrote Garde, die eine Sonderstellung als Rebellentruppe einnimmt.

Sehr gelungen finde ich, dass für Mare zunächst vor allem ihre Familie im Vordergrund steht, für die sie alles tun würde, auch wenn sie sich hilflos fühlt und eigentlich ihre kleine Schwester Gesa die Hoffnungsträgerin der Familie ist. Sie ist also nicht die typische Heldin, die in die Welt zieht, um diese zu verändern oder sie besser zu machen; es fällt ihr irgendwie zu und wir sehen dabei zu, wie sie sich in diese neue Situation einfindet. Der Schreibstil macht das ganze flüssig lesbar und ist daher wohl auch für Leser ab 14 Jahren empfohlen; einem erwachsenen Leser mögen manche Wendungen zu offensichtlich erscheinen, aber das ist nicht unbedingt problematisch.

Auch die Charaktere auf Seiten der Silbernen sind nicht zwingend unsympathisch, wenn man sie erst einmal kennenlernt und sich nicht von ihrem Herrschergehabe abschrecken lässt, wie es auch Mare nicht tut. Es kam bei mir durchaus vor, dass ich meine Sympathien neu verteilen musste, bei denen zunächst der ältere Königssohn herausstach, was sie aber recht fix auch auf Maven, den jüngeren Sohn, verschob. Den Kontrast dazu bildet Elena, die Königin, die eine recht typische böse Königin ist, die schon fast klischeehaft im Märchentypus daherkommt.

Die dystopischen Elemente erinnerten mich an „Die Tribute von Panem“ und „Throne of Glass“ und auch einige Charaktere sind für mich ähnlich, was aber – für jemanden, der diese Bücher vielleicht auch mag – kein Problem darstellt. Wo in Panem die unteren Distrikte für die oberene Distrikte arbeiten, sind es hier die Roten für die Silbernen. Katniss, Celaena und Mare können für mich in einer Reihe von Heldinnen stehen, denen zwar Männer zur Seite stehen, die aber nicht im Fokus stehen.

Fazit: Für jüngere Leser und Fans des Young Adult/Dystopie Genres gleichermaßen gut geeignet. Es gibt viele verschiedene Charaktere und es sollte für jeden etwas passendes dabei sein. Wie schon gesagt – wem die Welt von Panem gefällt, für den ist auch die Reihe „Die Farben des Blutes“ mit „Die rote Königin“ als Auftakt gut. Ich hoffe jedenfalls im Sommer auch die Fortsetzung auf Netgalley ergattern zu können 😉

Die wichtigsten Fakten

9783551583260Autor: Victoria Aveyard
Titel: Die rote Königin
Verlag: Carlsen
Übersetzt von: Birgit Schmitz
Seiten: 512
ISBN: 978-3-551-58326-0
Erscheinungsdatum: 2011
Preis: 19,99€ (Hardcover)
Zusammenfassung: Rot oder Silber – Mares Welt wird von der Farbe des Blutes bestimmt. Sie selbst gehört zu den niederen Roten, deren Aufgabe es ist, der Silber-Elite zu dienen. Denn die – und nur die – besitzt übernatürliche Kräfte. Doch als Mare bei ihrer Arbeit in der Sommerresidenz des Königs in Gefahr gerät, geschieht das Unfassbare: Sie, eine Rote, rettet sich mit Hilfe besonderer Fähigkeiten! Um Aufruhr zu vermeiden, wird sie als verschollen geglaubte Silber-Adlige ausgegeben und mit dem jüngsten Prinzen verlobt. Dabei ist es dessen Bruder, der Thronfolger, der Mares Gefühle durcheinander bringt. Doch von jetzt an gelten die Regeln des Hofes, Mare darf sich keine Fehler erlauben. Trotzdem nutzt sie ihre Position, um die aufkeimende Rote Rebellion zu unterstützen. Sie riskiert dabei ihr Leben – und ihr Herz …
Link zum Buch

[Rezension] Alle Toten fliegen hoch – Joachim Meyerhoff

IMG_4402„Alle Toten fliegen hoch“ von Joachim Meyerhoff ist das erste Buch für den Lesekreis, der sich passend zu Karlas Buchtipps in der ARD seit einigen Wochen aus einer Facebookgruppe entwickelt hat.
Am 1.April habe ich das Buch also – gleichzeitig mein Taschenbuch im April für #jdtb16 – im Buchladen meines Vertrauens das Buch bestellt und abgeholt und gleich angefangen zu lesen, weil es gepasst hat.

„Alle toten fliegen hoch“ ist der Auftakt einer Trilogie und Meyerhoffs Debütroman. Meyerhoff, Jahrgang 1967, ist manchen vielleicht sonst als Schauspieler und Regiesseur bekannt. Sein Erstlingswerk basiert auf einem Soloprogramm, dass er im Wiener Burgtheater auf die Bühne brachte.

Zum Inhalt

Im Fokus des Geschehens steht der 17jährige Protagonist (von seinem Vater wird er Josse genannt), der aus der verträumten Welt einer norddeutschen Kleinstadt raus will und sich dafür ein Austauschjahr in den USA ausgesucht hat. Beim Auswahlgespräch wird er mit selbstsicheren Großstadtjugendlichen konfrontiert und gibt sich – um seine Chancen auf einen Platz zu erhöhen – im Fragebogen als religiöser Naturbursche aus, der nicht unbedingt die amerikanische Großstadt erlebt haben muss. Der Plan geht auf und er bekommt einen Platz mitten im Nirgendwo in Laramie, Wyoming.

Mein erster Eindruck von Wyoming war: Keine Straßen. Andere Staaten waren überzogen von engmaschigem Straßengewirr. Wyoming war total leer. Eine blaue Straße von links nach rechts knapp über der Staatsgrenze zu Colorade und eine blaue Straße von unten nach oben. Das wars. Die Farbe der Karte: ocker. Dieser Bundesstaat war ein die gesamte Atlasseite überspannendes ödes ockerfarbenes Viereck. Bisschen grüb oben links, das war alles.

Zwischen seinen Versuchen sowohl in der Gastfamilie als auch in der Schule Fuß zu fassen erreicht ihn die Nachricht, dass sein Bruder gestorben ist…

Alle Toten fliegen hoch – Meine Meinung

Durch den Klappentext hatte ich erwartet, dass sich das Buch eingängiger mit dem Tod des Bruders beschäftigt und mehr Einblick in die Seelenwelt dea Protagonisten bietet, der sich ja zu dem Zeitpunkt einfach mal am anderen Ende der Welt befindet.
Bezeichnend ist dabei für mich, dass er sich im Auswahlgespräch für dieses USA Austauschjahr über die Oberflächlichkeiten seiner Mitbewerber auslässt und sich da auch in gewisser Weise über sie stellt; aber: Ist er nicht eigentlich genauso oberflächlich als ihm nach dem Tod des Bruders sein eigenes Außenbild in den USA wichtiger ist als alles andere? Als es ihm wichtiger ist einen Platz im Basketballteam zu kriegen? In der Umgebung seiner Familie wirkt die Trauerbeschreibung für mich wesentlich „realistischer“ als das in seiner Zeit in den USA der Fall ist.
Auf der anderen Seite bewundere ich seine Selbstsicherheit, die er selbst gar nicht so wahrzunehmen scheint. Welcher 17jährige schlendert schon ganz selbstverständlich in Hamburg in die Herbertstraße?

Für mich ist der Protagonist eine recht ambivalente Persönlichkeit – auf der einen Seite so gefestigt, dass er zielstrebig seines Weges geht, auf der anderen Seite aber noch so unsicher über seine eigene Gefühlswelt, dass er sich nach dem Tod des Bruders in Oberflächlichkeiten ergibt. Dies wird auch durch den sprunghaften Erzählstil unterstützt; die Erzähllinie verliert sich mancherorts in Anekdoten und hat dann – für mich – Schwierigkeiten zum Punkt zurückzukommen und die Geschichte voran zu bringen. Andererseits sind diese Anekdoten sehr anschaulich und witzig beschrieben und machen den Humor des Buches aus. Im Allgemeinen würde ich es als klassischen Entwicklungsroman bezeichnen, der durch die „Häppchen“ der einzelnen Anekdoten auch für kurzweilige Unterhaltung sorgt.
Es hätte mich allerdings gereizt noch mehr über das Konfliktpotential (gerade zum jüngsten Sohn der Familie) in der Gastfamilie zu erfahren, da zwar beschrieben wird, dass es Konflikte gibt, aber die Hintergründe fehlen völlig. Dafür wird ausführlich beschrieben, wie sich der Protagonist mit einem Pferd der Familie anfreundet…

Bereits in der Lesegruppe äußerte ich nach dem Lesen das Gefühl irgendwie hin- und hergerissen zu sein und auch nach fast einer Woche hält sich das Gefühl. Daher würde ich sagen, dass man „Alle Toten fliegen hoch“ am besten selbst lesen sollte, um sich ein Bild zu machen, denn alles in allem ist es ein unterhaltsames Werk, dass – wie im nachfolgenden Zitat – auch fast poetisch anmutende Züge annimmt. Allein schon diese Sprache, die Meyerhoff auch für die Beschreibung von banalen Alltagssituationen verwendet, macht das Buch lesenswert.

In meiner Stadt war Stille noch der Urzustand. Beruhigend, aber eben auch anstrengend, da man immer alleine von vorn anfangen musste, Lärm zu machen. Kein Weiterreichen, kein Einklinken – jeder für sich allein in seiner Stille. So brummten auch die Autos an mir vorbei. Aus der Stille kommend, in die Stille fahrend. Die Ziele dieser Autos erfüllten mich mit Langeweile. Garagen oder verkehrsberuhigte Wohnstraßen. Und während der Motor noch warm war, krabbelten die Kleinstädter in ihre heimeligen Betten und versanken gedankenlos in eben dieser Stille. Wie vereinzelt hier alles war. Einzelne Häuser, einzelne Autos, einzelne Bäume.

Die wichtigsten Fakten

3528129700001ZAutor: Joachim Meyerhoff
Titel: Alle Toten fliegen hoch. Amerika.
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
Seiten: 321
ISBN: 978-3-462-04436-2
Erscheinungsdatum: 2011
Preis: 9,99€
Zusammenfassung: Von der ersten Seite an folgt der Leser gebannt Meyerhoffs jugendlichem Helden, der sich aufmacht, einen der begehrten Plätze in einer amerikanischen Gastfamilie zu ergattern. Aber schon beim Auswahlgespräch in Hamburg werden ihm die Unterschiede zu den weltläufigen Großstadt-Jugendlichen schmerzlich bewusst. Konsequent gibt er sich im alles entscheidenden Fragebogen als genügsamer, naturbegeisterter und streng religiöser Kleinstädter aus – und findet sich bald darauf in Laramie, Wyoming, wieder, mit Blick auf die Prärie, Pferde und die Rocky Mountains.
Link zum Buch

[Rezension] Willkommen in Night Vale – Joseph Fink/Jeffrey Cranor

Willkommen in Night Vale„Willkommen in Night Vale“ (im Original „Welcome to Night Vale, erschienen am 20.10.2015) erschien  am 19.03.2016 in deutscher Übersetzung, aber dank vorablesen.de und dem Klett-Cotta Verlag, begleitete es mich schon vorher für einige Tage.

Die Autoren Joseph Fink und Jeffrey Cranor veröffentlichen bereits seit 2012 zweimal pro Woche Geschichten aus Night Vale in Form eines Podcasts.

Die Einordnung als Fantasy-Roman ruft für manchen vielleicht eher die Vorstellung von Drachen, Rittern oder Zauberern hervor, aber Night Vale ist eine andere Art von Fantasy.

In diesem Sinne:

Alles ist in Ordnung
völlig in Ordnung
weitermachen

(Schlagzeile des Night Vale Daily Journal)

Zum Inhalt

Willkommen in Night Vale

Willkommen in Night Vale begleitete mich auch in die Leichtathletikhalle.

Night Vale, eine Stadt in der Wüste des Südwestens der USA, ist einfach anders und so anders sind auch seine Bewohner. Die Hauptpersonen sind Jackie Fierro, Diane und Josh Crayton. Jackie ist schon seit langer Zeit 19 Jahre alt und betreibt ein Pfandhaus. Eines Tages betritt ein Mann dieses Pfandhaus und gibt dort einen Zettel ab, auf dem „King City“ steht und dieser Zettel verfolgt Jackie nun, die herausfinden will, was es mit King City auf sich hat.

Diane hingegen ist Joshs Mutter, der vor allem dadurch auffällt, dass er ein Gestaltwandler ist. Die Wege von Jackie, Diane und Josh kreuzen sich auf der Suche nach dem geheimnisvollen Mann mit dem Zettel und Joshs Vater, der auch damit in Verbindung zu stehen scheint. Was die drei schlussendlich herausfinden und was es mit King City auf sich hat, soll hier jedoch nicht erwähnt werden 😉

Die Besonderheiten von Night Vale sind sowohl im Ort selbst, als auch in den Personen dort zu finden. Plastikflamingos, Engel (die aber nicht erwähnt werden dürfen) und Spinnen spielen genauso eine Rolle wie eine geheimnisvolle und gefährliche Bibliothek.

Sie fuhr nach Hause und suchte zusammen, was sie brauchte, um ein Buch auszuleihen: ein starkes Seil und einen Enterhaken, einen Kompass, eine Leuchtpistole, Streichhölzer und eine Dose Haarspray, einen scharfen Speer aus Holz und, natürlich, ihren Bibliotheksausweis.

Willkommen in Night Vale – Meine Meinung

Die Leseprobe, aufgrund der ich mich entschied mich um ein Leseexemplar zu bewerben, klang vor allem skurril und das mag ich. Es schien ein völlig absurdes Werk zu sein. Science-Fiction ist in Night Vale so alltäglich, dass die Bücher darüber in der Bibliothek weniger zensiert sind als die Sachbücher.

Diese Regale waren weit weniger von der Zensur betroffen als die zentrale Sachbuchabteilung, da Science-Fiction in der Regel von allgemein bekannten Alltagsdingen handelte.

Etwas besonderes sind für mich die durchaus liebevoll gestalteten Figuren in Night Vale selbst, auch wenn manche – wie Carlos – gern noch mehr Anteil hätten haben können. Bei jeder Figur denkt man „jetzt hab ich alles gesehen!“ und dann kommt doch noch einer um die Ecke, der das sprengt. Manchmal sind es auch nur die vielen Gestalten von Josh, die unterhaltsam sind. So ist es notwendig, dass seine Mutter die Regel festlegt, dass er nur in menschlicher Gestalt Auto fahren darf, da in Spinnengestalt seine Beine nicht lang genug seien.

„Hallihallo Jackie“, sagte Laura, die sich nur mit Mühe hinter dem Tresen bewegte, weil ihre dicken Zweige überall hängenblieben.

Es kann jedoch sein, dass dieses – für mich – fast schon dadaistische Werk einfach nicht für jeden etwas ist. Man muss schon arg auf Absurdität stehen, sonst sollte man „Willkommen in Night Vale“ nicht lesen. Auch der Stil findet vielleicht nicht bei jedem Anklang, ist er doch ab und an recht langatmig und schweift von der eigentlichen Erzähllinie ab. Mir persönlich fehlte an diesen Stellen einfach der rote Faden, der durch die Geschichte führt. Es wirkte eher wie wenn man im Kopf zu viel hat und so von einem Gedanken zum nächsten springt ohne den ersten fertig gedacht zu haben.

Insgesamt gesehen, hätte ich Night Vale vielleicht nicht so viel Beachtung geschenkt, wenn ich es einfach nur im Buchladen gesehen hätte und nicht durch die Leseprobe in den Bann gezogen worden. Das mag auch damit zusammenhängen, dass ich bislang nichts vom gleichnamigen Podcast wusste, der ja doch recht viele Fans zu haben scheint.

Die wichtigsten Fakten

9783608961379

Autoren: Joseph Fink und Jeffrey Cranor
Titel: Willkommen in Night Vale
Verlag: Klett-Cotta
Seiten: 370
ISBN: 978-3-608-96137-9
Preis: 19,95€
Erscheinungsdatum: 19.03.2016
Zusammenfassung: Night Vale, ein Städtchen in der Wüste. Irgendwo in der Weite des amerikanischen Südwestens. Geister, Engel, Aliens oder ein Haus, das nachdenkt, gehören hier zum Alltag. Night Vale ist völlig anders als alle anderen Städte, die Sie kennen – und doch seltsam vertraut.Link zum Buch

[Rezension] „Die Birken wissen’s noch“ von Lars Mytting

IMG_3789Das erste was ich von Die Birken wissen’s noch gelesen habe, war das dritte Kapitel, denn das war die Leseprobe auf vorablesen.de aufgrund der ich mich für ein Rezensionsexemplar des Buches in den Lostopf warf.

In dieser Leseprobe stößt Edvard (zusammen mit seiner Jugendliebe Hanne) zum ersten Mal nach dem Tod des Großvaters Sverre auf dessen gut gehütete Gemeinnisse, aufgrund derer sich Edvard entscheidet, diese Rätsel zu lösen.

Doch zunächst ein paar Informationen zu Edvard und zur allgemeinen Geschichte. Nach dem Tod seiner Eltern wächst er auf dem Hof seines Großvaters im norwegischen Gudbrandstal auf. Um den Tod der Eltern und auch um das Verschwinden und den mysteriösen Tod seines Onkels Einar wird ein Geheimnis gehütet, welches sich erst nach dem Tod des Großvaters entfaltet. Ein kunstvoll geschnitzter Sarg lässt Edvard daran zweifeln, dass sein Onkel wirklich tot ist und er macht sich auf die Suche nach ihm und findet heraus, wie auch Einar in den Tod der Eltern verstrickt ist.

Für mich war Mutter ein Duft. Mutter war Wärme. Sie war ein Bein, an das ich mich klammerte. Der Atem von etwas Blauem; ein Rock, den sie manchmal trug, so meinte ich mich zu erinnern.

Die Birken wissen’s noch – Meine Meinung

Die Birken wissen’s noch von Lars Mytting verpackt eine Geschichte rund um Holz, Krieg und Familiengeheimnisse in Edvards Suche nach seiner eigenen Identität, die er mit dem frühen Tod seiner Eltern irgendwie schon verloren hatte.

Der Weg dieser Geschichte führt uns durch Birken- und Walnussbaumwälder, zwei Weltkriege, Norwegen, Frankreich und auf die Shetland Inseln. Wir sehen Familiengeschichten über mehrere Generationen. Man sollte meinen, dass die Geschichte zweier Weltkriege nicht auf 516 Seiten passt, zumal auch noch mehrere Familien involviert sind. Lars Mytting aber schafft dies in einer eindrucksvollen Weise, die zwar einen etwas schwergängigen Einstieg hat, aber umso fesselnder ist, je mehr man sich auf sie einlässt.

Die historischen Hintergründe (inklusive detaillierter Darstellungen bestimmter Truppen) und detaillierte Fakten von Holzverarbeitung und Waffenkunst sind wunderbar fließend in die Geschichte eingebettet und wirken auf diese Weise nicht wie ein direkt aus einem Geschichtsbuch.

The Black Watch zogen noch 1940 im Kilt in die Schlacht“, sagte Gwen. „Die Deutschen hielten das für Röcke und nannten sie Die Frauen aus der Hölle. Schau mal die vier Dudelsackspieler, die bei den Offizieren stehen. Sie zogen mit den Soldaten an die Front. Bis ganz nach vorn. Nicht ohne Grund spielte ein Bläserkorps der Black Watch bei Kennedys Beerdigung.“

Genauso fügt sich auch die „Lösung“ der Geschichte zum Ende hin sehr fließend auf und alle Einzelstücke fassen plötzlich ineinander und ergeben Sinn. Alle Vermutungen, die ich bis zu diesem Zeitpunkt angestellt hatte, erwiesen sich als vollkommen falsch. Auch die Personen, die die Suche begleiten oder hilfreiche Tipps haben, wirken nicht nur wie Helfer, sondern sind in sich so rund, dass sie sich problemlos einfügen und irgendwie fehlen würden, wenn sie nicht da wären.

„Die Birken wissen’s nocht“ ist also ein rundherum gelungenes Buch, das vielen Personen gefallen könnte. Es ist weder zu geschichtslastig noch zu mysteriös oder gar krimi-mäßig.

Die Birken wissen's noch
Autor: Lars Mytting
Titel: Die Birken wissen’s noch
Übersetzt von: Hinrich Schmidt-Henkel
Seiten: 516
ISBN:  978-3-458-17673-2
Zusammenfassung: Die Geschichte einer verzweifelten Suche nach der Mutter, dem Vater, den eigenen Wurzeln – und einer Reise, die Edvard durch fremde Länder führt und dessen Familiengeschichte ein ganzes Jahrhundert umfasst: das Jahrhundert der großen Tragödien..
Link zum Buch

[Rezension] „Mein bester letzter Sommer“ von Anne Freytag

Mein bester letzter Sommer

Ist das Cover von „Mein bester letzter Sommer“ nicht wunderschön?

„Mein bester letzter Sommer“ zeigt uns einen Einblick in das Leben von Tessa. Tessa ist 17 und wird sterben; so viel steht fest. Fest steht für sie auch auch, dass sie nichts von dem erreicht hat, was sie sich eigentlich für ihr Leben vorgestellt hat. Dann trifft sie Oskar. Oder vielmehr: Sie trifft Oskar wieder, denn für einen flüchtigen Moment hat sie ihn schon einmal gesehen und ihn schon dann nicht mehr vergessen können.

Mein erster Gedanke war „Ist das Cover nicht wunderschön?“ So fing eigentlich alles an: Ich verliebte mich online in das Cover und durfte das Buch dann dank Heyne fliegt, der Jugendbuch-Abteilung des Heyne Verlags, schon einige Tage vor dem Erscheinen lesen.

Oskar schafft es, Tessa den besten letzen Sommer ihres Lebens zu organisieren, indem er sie auf eine Reise durch Italien „entführt“ und bei dem nur die beiden wichtig sind. Alles andere – Familie und der Tod – rücken scheinbar in den Hintergrund…

Ich benehme mich andauernd daneben, aber niemand sagt etwas. Ich glaube, wenn man stirbt, hat man immer das letzte Wort. Man bekommt einen Freifahrtschein. Vielleicht weil sich die Leute davor fürchten, dass ich mitten im Streit plötzlich tot umfalle und sie keine Chance mehr haben, sich zu entschuldigen.

Mein bester letzter Sommer – Meine Meinung

Ich finde mich ein bisschen in Tessa wieder. Im ersten Moment kommt dann immer der Gedankengang hoch, dass auch man selbst sein Leben verschwendet und jetzt ab sofort alles ändern muss. Je länger ich darüber nachdenke, desto bewusster wird mir aber, dass Tessas Leben kein schlechtes ist. Sie hat einen Platz an einer Elite-Uni sicher, sie hat beste Freundinnen, sie hat eine Familie. Ja, ihr fehlt der Freund und die Liebeserfahrung. Aber in einem normalen Fall stirbt man auch nicht mit 17, sondern hat einfach auch noch Zeit dies alles zu erfahren. Das Problem was ich mit dieser Darstellung immer habe, ist der generalisierende Faktor. Wieso müssen alle mit 17 schon die gleichen Erfahrungen gemacht haben? Legt sowas nicht einen Lebensentwurf fest, der so gar nicht für alle gleichermaßen gelten kann?

Vielleicht ist es ja makaber, aber ich habe mir gestern online eine Urne bestellt. Meine Urne. Früher habe ich mein Leben totorganisiert. Jetzt organisiere ich eben meinen Tod.

Allerdings lässt es einen sich daran erinnern, dass wir eben auch nur dieses eine Leben haben und uns dessen bewusst sein sollten. Das macht allerdings nicht bestimmte Lebensentwürfe besser oder schlechter als andere. Diese Mangel – in meinen Augen – wird dadurch behoben, dass wir einen Blick auf Tessas Schwester bekommen, die für Tessa das Leben so lebt, wie man das eben sollte. Wie Larissa dazu steht, müsst ihr allerdings im Buch selbst herausfinden.
Gerade weil ich mich in Tessa wiederfinde, mag ich sie. Und ich mag Oskar, weil er Tessa genau das gibt, was ihr – im ihren Augen – noch gefehlt hat, indem er sie nach Italien entführt. Er schafft es, sie aus ihren Grübeleien zu lösen; nicht so abzustellen, sondern sie einfach für einen Moment vergessen zu lassen.

Aufhören zu denken? Ich weiß nicht mal, wie das geht.
Er dreht sich auf die Seite und stützt sich auf dem Ellenbogen ab. Die Art, wie er mich ansieht, lässt mich schlucken.
„Mach die Augen zu.“
„Aber…“
„Mach. Sie. Zu.“
Und dann tue ich es. Ich lasse mich fallen.

Insgesamt ist das Buch sehr gut geschrieben und, ja, man weint. Ich zumindest. Mehrfach. Für mich sind an solchen Büchern immer die Szenen am schwersten, bei denen man einen Einblick in die Personen drumherum bekommt. Und das funktioniert bei „Mein bester letzter Sommer“ hervorragend, sodass wir nicht nur sehen wie Tessa empfindet, sondern auch ihre Familie und vor allem Oskar.
Ein wenig verwirrend waren zu Beginn die wechselnden Sichtweisen, bis mir auffiel, dass diese durch unterschiedliche Symbole zu Beginn des jeweiligen Kapitels gekennzeichnet werden. Die Krabbe für Tessa und der Hase für Oskar – findet heraus wieso.
Sehr schön finde ich, dass Musik bei den beiden eine besondere Rolle spielt und das nicht nur am Rand erwähnt wird, sondern dass im hinteren Teil des Buches die gemeinsame Playlist der beiden vollständig aufgelistet ist – und die ist wirklich gut! Alle Titel sind auf Spotify verfügbar und so hat der Verlag die Playlist auch dort zusammengestellt. Ich habe sie euch unten eingebettet. Die Musik begleitet die wichtigsten Momente der beiden und vermitteln immer ein bestimmtes Gefühl, sodass bei mir während des Lesens auch dieses bestimmte „Ich will jetzt Sommer!“-Gefühl  aufkam. Solche Sehnsüchte zu vermitteln – das schafft nicht jedes Buch!

4stern

Weitere Links und Infos

Auf der entsprechenden Verlagsseite findet ihr für das Buch einige Extras. Es gibt zum Beispiel ein Gewinnspiel und auch die schönen Illustrationen werden als Ausmalvorlage zum Download zur Verfügung gestellt.

9783453270121_CoverAutor: Anne Freytag
Titel: Mein bester letzter Sommer
Seiten: 368
ISBN:  978-3-453-27012-1
Zusammenfassung: Tessa hat immer gewartet – auf den perfekten Moment, den perfekten Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, dass sie noch Zeit hat. Doch dann erfährt das 17-jährige Mädchen, dass es bald sterben muss. Tessa ist fassungslos, wütend, verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen Jungen, der hinter ihre Fassade zu blicken vermag, der keine Angst vor ihrem Geheimnis hat, der ihr immer zur Seite steht. Er überrascht sie mit einem großartigen Plan. Und schafft es so, Tessa einen perfekten Sommer zu schenken. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und Gefühle alles sind …Link zum Buch

Wie steht ihr zu solchen doch recht dramatischen Jugendbüchern? Steht da einfach im Vordergrund, dass es um große Gefühle geht oder kann sowas auch kritisch gesehen werden?

Alles Liebe,
karo