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Meine Buchmesse und die Bücher dort…und später

Das war also meine erste Frankfurter Buchmesse. Viel. Viele Bücher. Viele Menschen. Viele Eindrücke. Und auch das Gefühl, dass man nicht so recht dazu gehört. Entweder zu alt oder zu jung. Irgendwo in einem Limbo. Und bei weitem nicht so vernetzt, wie das die meisten sind. Aber will ich das überhaupt? Ich liebe Bücher und ich liebe es über Bücher zu sprechen. Punkt. Und daher tue ich das jetzt hier. Denn eines hat die Buchmesse hinterlassen: Die Lust wieder zu bloggen. Die Lust sich wieder Zeit zu nehmen, denn Bloggen kostet Zeit – ist einfach so…

Daher nun im folgenden einfach ein paar Eindrücke und Gedanken der letzten Tage und nicht zwingend chronologisch 🙂

Altweibersommer. In die Stadt bummeln mit dem groben Ziel „Augustiner“. Zwischendurch noch in der Buchhandlung vorbei, die auch Sonntags geöffnet hat. Da ich die letzten Mal immer die neuen Romane von Kerstin Gier kurz nach Erscheinungsdatum gelesen und geliebt habe, passiert das auch dieses Mal. Diese Woche wird mich also (wenn ich „Secrets in Death von J.D. Robb ausgelesen habe) das Wolkenschloss begleiten. Danach werde ich meine Mitgliedschaft in der Bibliothek verlängern.. denn die Buchkäufe dieser Woche allein gehen doch ins Geld.

Buchmesse Frankfurt. Viele viele Menschen vor allem am Samstag. Erst am Donnerstag nachmittag hatte ich mich soweit orientiert, dass ich gezielt nach Dingen und Ständen suchen konnte. Ich mochte die Gespräche bei ARD und ZDF sehr, weil sie kurzweilig waren. Zwischendrin habe ich mich – wie oben schon geschrieben – oft Fehl am Platz gefühlt.. in Leipzig war es irgendwie familiärer… aber ich habe auch die Zeit genossen, die ich einfach allein schlendern konnte und neue Bücher und Autoren entdecken konnte. Es ist von Vorteil unsichtbar zu sein. Und ich habe mich gefreut endlich Linus von Buzzaldrins Bücher kennengelernt zu haben. Wir haben nur kurz am Stand von Litnity geschnackt und ich bin gespannt was dort so aufgezeichnet wurde, auch wenn es schöner gewesen dort gleich etwas aktiver zu werden und zu erfahren wie das so mit dem Schreiben an sich ist.

Meine Buchmessebücher..also nicht direkt, denn außer Sonntags und mit Signierstunden kann man ja nix kaufen.. „Qualityland“ habe ich mitgebracht und signieren lassen. Wohooo! Es ist herrlich absurd und abgedreht und voller Referenzen zum Känguru. Der Ruthe Postkartenkalender ist signiert und ein Mitbringsel für meinen Papa.. ich selbst habe mir eine Handyhülle bezeichnen lassen. Mein eigener Baum mit Hörnchen. Zum Rest der Bücher werde ich gesondert noch etwas schreiben bzw. in Zusammenhang z.B. mit der Lesung von Sven Regener in Erfurt.

Der Wunschzettel. Wächst. Vor allem merke ich immer mehr, dass mich Jugendliteratur reizt. Da kommt wieder der Fakt „zu alt“ zum tragen, aber who cares.. Ich mag Jugendbücher vor allem weil sie mittlerweile Stellung beziehen und kritische Dinge ansprechen.

In Frankfurt zahlt es sich manchmal aus, früh da zu sein. Vor allem wenn dort Ralph Ruthe signiert. Einfahc rundherum sympathisch! Und man kann so herrlich Zeichenwünsche äußern.. in diesem Sinne: Habt einen entspannten Sonntagabend und lasst euch nicht von Wahlergebnissen die Laune vermiesen 😉

[Rezension] Anne Freytag – Den Mund voll ungesagter Dinge

Den Mund vollungesagter DingeAls Überraschungspost bekam ich vor kurzem den neuen Roman von Anne Freytag Den Mund voll ungesagter Dinge zugesandt, welches heute erscheint, und bin dem Heyne Fliegt Verlag (der zur Verlagsgruppe Random House gehört) sehr dankbar.

Vor fast genau einem Jahr berichtete ich an dieser Stelle schon über Mein bester letzter Sommer und ich freue mich fast noch ein bisschen mehr über Den Mund voll ungesagter Dinge.

Aber nun noch ein paar Infos vorweg, bevor ich euch sage, wieso ich dieses Buch so wichtig und lesenswert finde.

Zum Inhalt

Sophie ist 17 Jahre alt, steht kurz vor dem Abitur und lebt mit ihrem Vater in Hamburg..zumindest bis dieser entscheidet, noch vor Sophies Schulabschluss anch München zu seiner neuen Freundin nach München zu ziehen. Fast 800km entfernt von allem, was bisher ihr Leben ausgemacht hat und ohne viel Gepäck, wird Sophie in eine neue Familie mit Mutter, zwei Söhnen und Hund verpflanzt. Wem würde das schon gefallen? Zumal ihr bester Freund Lukas in Paris lebt und dort einen neuen Weg geht. Doch dann taucht Alex auf – die Tochter der Nachbarn – und ist mit ihren grünen Augen und der kleinen Zahnlücke die Person, die Sophie das erste Mal in München wieder lachen lässt…

Und sie ist hübsch, aber auf eine menschliche, intelligente Art. Bis auf ihre dunklen Brauen ist sie einfarbig, sogar kontrastlos, aber das macht sie nicht weniger schön. Alex ist unkonventionell und kühl, und gleichzeitig total lebendig.

Anne Freytag Den Mund voll ungesagter Dinge, S. 80

Den Mund voll ungesagter Dinge – Meine Meinung

Romane über das Erwachsenwerden scheint es zu Hauf zu geben, aber es gibt immer noch zu wenige – meiner Meinung nach – die vom Normierten abweichen; die vom typischen boy meets girl abweichen. Den Mund voll ungesagter Dinger füllt hier eine Lücke; zeigt uns, dass Erwachsenwerden eben nicht nur aus Konflikten mit Eltern und Freunden bestehen kann, sondern für einen nicht kleinen Teil der Menschheit eben auch aus Verwirrung und dem Herausfinden des eigenen Selbst, welches – auch für einen nicht sehr kleinen Teil der Menschheit – von der „Norm“ abweicht. Melanie Raabe sagt an dieser Stelle genau das, was ich mir auch beim Lesen dachte:

„Als mir klar wurde in welche Richtung der Roman sich inhaltlich entwickeln würde, hätte ich beinahe laut gejubelt.“

Quelle

Denn genauso ist es. Wir durchleben nicht nur Sophies eigene Welt, sondern durch ihre Augen auch die Umwelt – die Eltern, der Freundeskreis und manchmal auch einfach die Blicke unbekannter Menschen am Ufer der Isar. Es lässt einen vielleicht drüber nachdenken, wie viele Menschen im eigenen Umfeld solche Blicke hätten, die Augenbrauen hochziehen würden und eventuell sogar den Kopf schütteln würden. Und auch wenn es mir nicht schmeckt: Ich selbst kenne solche Menschen.
Anne Freytags Schreibstil macht es uns leicht, uns in Sophie hineinzuversetzen und die Geschichte reißt einen so mit, dass man das Buch nur schwer wieder zur Zeit legen kann. Man hofft und bangt und man weint vielleicht auch Rotz und Wasser. Und ich freue mich, wenn ein Buch so etwas bei mir schafft; mich mitzureißen und so viel mit diesen Figuren auf dem Papier zu leiden.

Aber jetzt weiß ich, dass es nicht nur eine Antwort gibt. Genauso wie es nicht nur ein tolles Lied gibt. Oder ein gutes Essen. Oder ein schönes Land. Ich glaube, ich hab’s jetzt verstanden…ich bin nicht nur eine Sache. Ich bin tausend Sachen.

Anne Freytag Den Mund voll ungesagter Dinge, S. 394

Wenn man sich dieses Zitat anschaut, dass Anne Freytag einer 17jährigen in den Mund legt, kann man vielleicht selbst nochmal in sich gehen und sich klar werden, dass es genau so ist. Und dann hat man auch als 30jährige noch etwas gelernt von einem Roman, für den man vielleicht nicht so offensichtlich die Zielgruppe ist. Literatur kann sowas. Es zeigt uns, dass jeder in irgendeiner Weise sein Päckchen zu tragen hat und dass dieses Päckchen vielleicht gerade in der Zeit des Erwachsenwerdens auch eine Persönlichkeit formen kann.
Und doch ist es nicht das einzige was einen ausmacht. So ist Sophie nicht nur Alex‘ Freundin, sondern auch die neue große Schwester, die geliebte Tochter ihres Vaters, eine neue Tochter für ihre „Stiefmutter“, diejenige, die den Hund erst richtig aus sich herausholt, das „Flittchen“ für ihren besten Freund Lukas, Abiturientin und eine Künstlerin. So wie Familie eben nicht nur aus Mutter, Vater und Kind bestehen kann, sondern auch als Patchwork funktioniert oder wie im Falle von Sophie zunächst auch nur aus Sophie und ihrem Vater.

Fazit

Insgesamt würde ich Den Mund voll ungesagter Dinge jedem ans Herz legen. Denn eingebettet in eine grandiose Playlist (die ihr weiter unten auch findet, da der Verlag sie dankenswerterweise gleich auf Spotify zusammengestellt hat), finden wir eine toll geschriebene Geschichte über Freundschaft, Familie, Sexualität, Liebe und das Erwachsenwerden.

Die wichtigsten Fakten

Den Mund voll ungesagter Dinge von Anne Freytag - Cover

Autor: Anne Freytag
Titel: Den Mund voll ungesagter Dinge
Verlag: Heyne fliegt (Verlagsgruppe Random House)
Seiten: 400
ISBN: 978-3453271036
Erscheinungsdatum: 6. März 2017
Preis: 14,99€ (Broschiert)
Zusammenfassung: Wenn Sophie es sich aussuchen könnte, wäre ihr Leben simpel. Aber das ist es nicht. Und das war es auch nie. Das fängt damit an, dass ihre Mutter sie direkt nach der Geburt im Stich gelassen hat. Und endet damit, dass Sophies Vater plötzlich beschließt, mit seiner Tochter zu seiner Freundin nach München zu ziehen. Alle sind glücklich. Bis auf Sophie.
Was hat es bloß mit dieser verdammten Liebe auf sich? Sophie selbst war noch nie verliebt. Klar gab es Jungs, einsam ist sie trotzdem. 0Bis sie in der neuen Stadt auf Alex trifft. Das Nachbarsmädchen mit der kleinen Lücke zwischen den Zähnen, den grünen Augen und dem ansteckenden Lachen. Zum ersten Mal lässt sich Sophie voll und ganz auf einen anderen Menschen ein. Und plötzlich ist das Leben neu und aufregend. Bis ein Kuss alles verändert.
Link zum Buch

Weitere Infos und Links

Auf Spotify findet ihr die grandios Playlist zum Buch und auf der Verlagsseite noch weitere Infos zum Buch und Anne Freytag als Autorin, u.a. ihre Lesetermine zur Leipziger Buchmesse, die ich nun leider verpasse. Ich hätte das Buch sehr gern signiert hier gehabt.

 

(M)Ein Buch der Woche – Mona Kastens Again-Reihe

BuchderWoche

Ja ich weiß, dass ich häufigere Posts versprochen hatte.. Da hatte ich allerdings auch noch nicht zwischendrin mal meine Festplatte geschrottet und wieder zum Leben erweckt. Aber nun bin ich hier. Mein Buch der Woche sind diese Woche sogar gleich zwei Bücher, weil ich mal wieder eine Buchreihe angefangen habe.

Aktuell lese ich von Mona Kasten „Begin again“ und „Trust again“, weil es für mich Wohlfühlliteratur ist – keine klassische ChickLit, aber das was man heutzutage „New Adult“ nennt und was für mich sehr angenehm zu lesen ist. Einfach dem Gelesenen hingeben. Egal ob auf der Couch oder in der Bahn – perfekt.

Erzählt wird die in Band 1 die Geschichte von Allie, die nach Woodshill kommt, um ein neues Leben zu beginnen. Dort trifft sie nicht nur auf Kaden, sondern auch auf Dawn, in deren Leben wir im zweiten Band einen Einblick bekommen. Es ist also eine Geschichte, die sich mit Personen eines Kreises beschäftigt, aber wohl auch unabhängig voneinander gut funktioniert. Mich hat sie auf jeden Fall gefesselt. Es sind zwar Geschichten rund um große Gefühle und auch viel Drama, aber eingebettet ist das Ganze in eine liebevolle Welt und eine tolle Gruppe von Freunden.

Wieso es gerade diese Reihe wurde? Wiedereinmal was es instagram und tolle Buchfotos, die mich darauf aufmerksam machten und wie ich so mitkriege, haben auch meine Fotos in den letzten Tagen schon die ein oder andere dazu verleitet auch die Bücher zu kaufen. Ich liebe es, dass instagram und Twitter soetwas ermöglich!

Mona Kasten selbst beeindruckt mich schon dadurch, dass sie erfolgreich Bücher publiziert und dabei 5 Jahre jünger ist als ich, was mir immer noch so wahnsinnig jung vorkommt. Werde ich mich daran gewöhnen, dass das in Zukunft häufiger so sein wird, weil ich mittlerweile 30 bin? Wahrscheinlich nicht..

Der dritte Band „Feel again“ ist auch schon in der Lieblingsbuchhandlung vorbestellt und wartet dann im Mai auf lauschige Frühlingsabende auf dem Balkon. Ich freue mich drauf!

Welches Buch der Woche habt ihr aktuell in der Hand? Hat bei euch auch das Wetter und die aufkommende Frühlingslust Einfluss auf eure Buchwahl?

[Kaffeeklatsch] Ein Lebenszeichen…

Hallo ihr Lieben,

Ich könnte jetzt behaupten dass ich stundenlang vor dem offenen Textdokument sitze und mich der blinkende Cursor zur Weißglut treibt. Die Wahrheit ist aber, dass ich so weit meist gar nicht komme, weil ich bisher nicht einmal ein Textdokument offen hatte.

Wieso ist das aber so? Es ist ja nicht so, dass ich nicht lese. Nicht so viel wie Anfang letzten Jahres, weil mir dazu schlichtweg die Zeit fehlt. Ich pendele jeden Tag von Erfurt nach Jena; das ist pro Strecken ungefähr eine Stunde, die ich hervorragend zum lesen nutzen könnte. Das Problem: Regionalzug mit Neigetechnik, früher Morgen und oft kein Sitzplatz in Fahrtrichtung. Und das ist in meinem Fall ein Problem. An dieser Stelle bin ich neidisch wenn Menschen dies können und sogar in Autos und Bussen lesen können.

IMG_1664Ich habe jetzt zumindest pro Woche einen Punkt im Kalender, der heißt „mindestens ein Buch pro Woche lesen“. Zwei Wochen ging es gut und dann machte mir eine Erkältung einen Strich durch die Rechnung. Zum lesen kommt auch das Bloggen wieder hinzu. Es fehlt mir. Ich weiß dass ich keine große Leserschaft wie andere Blogs habe, aber es fehlt mir trotzdem.

Vielleicht sollte ich vorerst beide Vorhaben verbinden und über „(M)Ein Buch der Woche“ bloggen. Was für ein Buch? Wieso das Buch? Außerdem könnte es mir helfen meinen SuB abzubauen bevor er dank Weihnachts- und Geburtstagsgutscheinen wieder zunimmt.

Was es sonst bei mir gibt? Nicht sehr viel Neues.. die größte Neuerung ist auch nach mehr als einem halben Jahr der neue Job, der auch der Grund des Pendelns ist. Als Projektassistent zur Organisation medizinischer und wissenschaftlicher Kongresse bin ich einfach voll ausgelastet und manchmal auch einfach am Abend vom Kopf her fix und fertig. Und momentan fällt es mir dann manchmal schwer im Zug nicht einfach zu schlafen, sondern mit ein Buch zu nehmen. Mitte des Jahres gibt es noch eine große Änderung, aber dazu mehr zu gegebener Zeit.

Also gelobe ich an dieser Stelle Besserung und werde Mal schauen welches Buch der Woche dieses Wochenende den Anfang machen darf. Und vielleicht habe ich ja trotz der Abwesenheit der letzten Monate noch die Chance, dass meine Akkreditierung für die Leipziger Buchmesse gewährt wird. Drückt mir die Daumen.
Alles Liebe,

Karo <3

[Lesung] Benedict Wells – Vom Ende der Einsamkeit

Vor mehr als einem halben Jahr las und verloste ich anschließend Benedict Wells’ Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ und ich bin wohl nicht die einzige, die nachhaltig davon beeindruckt war. Umso mehr freute ich mich, dass die Erfurter Herbstlese ankündigte, dass er aus eben Roman lesen würde.

Der Leseabend mit Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells wird von Monika Rettig (Erfurter Herbstlese) vorgestellt.Gestern Abend war es dann so weit und man fand sich in der Buchhandlung Hugendubel am Erfurter Anger ein. Benedict Wells wurde wie immer sehr charmant von Monika Rettig, der Programmdirektorin der Erfurter Herbstlese, angekündigt und machte recht bald klar, dass für ihn das Talent nicht alles ist, sondern Glück und auch Wille eine sehr große Rolle spielen. Für mich spiegelt sich dies darin wieder, dass er – auf die Publikumsfrage wie er sich im Moment mit all dem Trubel und Lob fühlt – darauf verweist, dass er das wahrscheinlich erst in 2 Jahren realisiert haben wird, wenn der wirkliche Trubel abgeebbt ist. Nichtsdestotrotz kann er jetzt schon sagen, dass eigentlich alle Träume übererfüllt seien.

Benedict Wells liest aus "Vom Ende der Einsamkeit".Zwischen den einzelnen Lesestellen – insgesamt drei und ein kleiner – gab er Auskunft zu Schreibprozessen und zum Entstehungsprozess des Buches selbst. So sagt er, dass „Vom Ende der Einsamkeit“ aus ursprünglich ca. 800 Seiten bestand und dass es, aufgrund seines eigenen Willens ein sprachlich besonderes Buch zu verfassen, erst im Verlauf des redigierens auf den Umfang gekürzt wurde, den wir heute als Buch lesen können.
Diesen Prozess beschrieb er sehr treffend als „Jenga“ Spiel: Man zieht immer wieder Stellen wie Holzblöcke heraus und schaut dann, ob das Gerüst in diesem Zustand noch stehenbleibt. Ich würde sagen, und ich denke da werde ich Zustimmung finden, dass dies sehr gut gelungen ist und dass wir weder zu wenig noch zu viel Buch haben. Sein Fokus auf die Sprache ist dem Roman auch im Vergleich zu seinen anderen Romanen einfach anzumerken.

Sieben Jahre für ein Buch: Wie motiviert man sich da?

Bei einem Schreibprozess der sieben Jahre dauerte, erstaunt also nicht die Nachfrage, wie man sich über einen so langen Zeitraum wirklich motiviert. So vergleicht Wells seinen persönlichen Schreibprozess mit dem Tanken: Vor Beginn ist der Tank voll und der Idealfall ist für ihn, dass erst mit dem Ende der ersten Fassung der Sprit ausgeht. Es ist also durchaus verständlich, dass der Korrekturprozess ein langer ist; jede Korrekturphase beginnt mit neuer Motivation und neuem Sprit anstatt zwischendrin die Lust zu verlieren, weil man gleich im ersten Anlauf alles perfekt haben will. Dies mag bei anderen Autoren funktionieren, aber für Benedict Wells tut es das nicht.
Dadurch verändere sich der Roman im Korrekturprozess nochmal sehr stark. Aus einer halb amerikanischen Familie wurde so eine Familie mit einem französischen Elternteil und die Perspektive zwischendurch komplett verändert, nur um in der nächsten Fassung wieder zur ursprünglich ersten Fassung zurückzukehren.

sagt er als das Publikum auf die doch massiven Kürzungen zu sprechen kommt. Allerdings sieht er heute ein, dass es einfach notwendig war, da er vor allem Jules als Hauptfigur verpflichtet war und nicht dem potentiellen Leser. Darum sind alle Lücken, die auch durch die Einteilung in den 5-Jahres-Rhythmus zustande kommen – eine bewusste Entscheidung, die vor allem dem Roman dient. Nichtsdestotrotz schmerzen ihn einige Streichungen heute noch auch wenn er weiß, dass sie richtig waren.

Wie schafft man es über einen solch langen Zeitraum mit einem solch schwierigen Thema umzugehen?

Bei seiner Antwort konnte man rundherum Nicken wahrnehmen und auch für mich ist dies eine Art Lebensmotto.

Auch zu seinem eigenen Lebensweg wurde er befragt. Von meiner Seite aus die Frage wieso er sich damals für Berlin entschied obwohl die Stadt „damals“ – auch nach seiner eigenen Aussage – noch nicht so hip war, wie sie es heute ist. Die Antwort ist ganz einfach: Berlin war weit weg von München und günstig. Man konnte auch mit nur einen Nebenjob leben und sich dem Schreiben widmen. Durch die Einführung von Frau Rettig ergab sich auch die Frage, ob er denn selbst für sich ein Studium noch in Betracht zieht und was dies sein könnte.

„Die besten Lehrer sind die besten Bücher.“, sagt Benedict Wells treffenderweise in seiner Begründung wieso er sich – wo es doch so nahe läge – nicht für ein Literaturstudium entscheiden würde. Allerdings ist ein Studium nicht komplett ausgeschlossen, auch wenn er sich mittlerweile zwischen einer Gruppe 19-jähriger doch etwas zu alt fühlen würde, auch wenn man es ihm nicht ansähe.

Benedict Wells und ich. Schlussendlich möchte ich dem Diogenes-Verlag danken, dass sie Benedict Wells die Chance der Publikation gaben und ihm selbst damit auch einen Lebenstraum erfüllt haben, denn über die Bücher John Irvings entwickelte sich bei Benedict Wells der Wunsch bei genau diesem Verlag zu publizieren. Dadurch wurde nicht nur mir ein Abend ermöglicht, der viel über Benedict Wells – einen bescheidenen und symphathischen Autor – selbst verriet, aber auch sehr unterhaltsam war. Im Anschluss nahm er sich viel zeit für Signierwünsche und noch offene Fragen und so konnten auch wir noch ein Rätsel lösen, welches uns seit April beschäftigte. Auch ein Foto machten wir noch.

Und ein besonderer Pluspunkt: Er liest gern Literaturblogs. In diesem Sinne: Vielleicht Herzlich Willkommen hier, Benedict Wells 🙂

Wer noch nicht über „Vom Ende der Einsamkeit“ weiß, dem sei die Rezension der lieben maaraavillosa  ans Herz gelegt, die ihr unter diesem Link findet.

[Monatsrückblick] Sommer, Sonne, Sonnenschein!

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Bild via pixabay

51. Marissa Meyer – Wie Sterne so golden [06.07.2016]
52. Marissa Meyer – Wie Schnee so weiß [08.07.2016]
53. Heinz Strunk – Der goldene Handschuh [09.07.2016]
54. Cecilia Ahern – Der Glasmurmelsammler [09.07.2016]
55. Candy Bukowski – Wir waren keine Helden [10.07.2016]
56. Elizabeth Gilbert – Eat Pray Love [13.07.2016]
57. Juli Zeh – Unterleuten [15.07.2016]
58. Martin Walker – Delikatessen (Bruno, chef de police #4) [25.07.2016]

Normalerweise lasse ich die Daten nicht an der Liste in den Monatsrückblicken, aber im Juli ändere ich das jetzt mal…wies0? Weil man sehr amüsant sieht, in welcher Zeit ich im Sommerurlaub war und einfach unfassbar viel Lesezeit hatte. Da ich den restlichen Nachmittag und Abend auch zur Lesezeit erklären werde, kommt evtl noch „Als der Himmel uns gehörte“ (Charlotte Roth) hinzu und dann hätte ich auch mein Taschenbuch für diesen Monat (wir wissen: #jdtb16)… ich werde berichten, denn es ist schließlich auch ein Buch aus dem ARD Lesekreis und bisher gefällt es mir so gut, dass es noch ein paar zusätzliche Worte hier bekommen sollte.

Man merkt auch, dass alles irgendwie ein wenig „durcheinander“ wirkt, aber da bei mir Urlaubszeit wirklich Lesezeit ist, ist meine Auswahl eher nach dem Prinzip „Hab ich grad Bock drauf!“ und das hat wieder einmal sehr gut funktioniert. Wenn man nämlich eh weiß, dass man im Schnitt ein Buch pro Tag auslesen wird, kann man das Buch gut nach Tageslaune festlegen. Wobei ich grad nicht sicher bin in welche Tageslaune „Der goldene Handschuh“ fällt, denn das ist doch ein sehr tiefer Blick in menschliche Abgründe. Allerdings muss ich sagen, dass mir ein solches Buch deutlich mehr zusagt als jegliche Thriller. Man weiß von Anfang an in welcher Richtung es sich bewegt und das finde ich gut, auch wenn es halt um menschliche Abgründe geht.

Favoriten dieses Monats waren „Wir waren keine Helden“ (Candy Bukowski), „Delikatessen“ (Martin Walker) und tatsächlich auch „Eat Pray Love“ (Elizabeth Gilbert) . Zuerst einmal „Wir waren keine Helden“, worüber ich wahrscheinlich noch ausführlicher schreiben werde und es wahrscheinlich auch nochmal lesen werde. Es ist einfach eine Lebensgeschichte, die so schnell erzählt ist, dass sie einen einfach nur mitreißen kann. Die eigenen Gedanken kommen beim Lesen kaum nach und dann stoppt man wieder, weil man über grandiose Zeilen stolpert. Ich bin zwar um einiges jünger als die Protagonistin Sugar, aber trotzdem mit der meisten Musik aufgewachsen, die auch im Buch eine Rolle spielt. Es katapultiert mich in mein eigenes Leben zurück, welches vielleicht nicht so „aufregend“ verlaufen ist, aber halt mein Leben ist.
„Delikatessen“ von Martin Walker ist der vierte Band in der Bruno-Reihe und für mich mittlerweile einfach zu Wohlfühlliteratur geworden. Man schlüpft leicht wieder in die Handlung rein und alle Personen sind wie alte Bekannte, die man nur mal kurz nicht gesehen hat und aber sofort wieder super mit ihnen klarkommt. Genau soetwas brauche ich auch im Urlaub.

„Eat Pray Love“ habe ich unwissend immer irgendwie als Kitschlektüre und leichte Unterhaltung im Hinterkopf gehabt – zu Unrecht, denn eine Lebensgeschichte sollte nicht nur auf solche Begriffe reduziert werden. Ich finde es faszinierend, auf welche Suche sich Liz begibt und wie alle drei großen Reiseziele ihr doch eine so große Hilfe sind, obwohl sie so viel verschiedenes verkörpern. Am liebsten möchte man alles gleichzeitig – in Neapel Pizza genießen, in Indien meditieren und auf Bali das Leben genießen. Für mich definitiv ein Buch mit positivem Nachklang und auch wieder ein Ansatz um mehr zu meditieren, da ich weiß, dass mir das gut tut.

Die restlichen Bücher waren auch keine Flops, aber diese drei stehen – aus den verschiedenen Gründen – für mich hervor. Sie sind genau das, was für mich diesen Lesesommer ausgemacht hat. Rasant und Tiefgründig, mit vielen sehr weisen Zitaten, wie „Wir waren keine Helden“, Wohlfühlen wie Bruno in „Delikatessen“ und mit einem Nachklang wie „Eat Pray Love“

Ausblick – Der literarische Spätsommer

Ich bin noch immer nicht wieder zurück in meinem normalen Lesealltag, denn das Lesen im Zug fällt mir schwer. Da ich aber festgestellt habe, dass ich dort auf dem Kindle das Lesen besser vertrage, werden es wohl wieder vermehrt eBooks werden. Das macht auch den täglichen Transport leichter. Ansonsten stehen u.a. „Blauschmuck“ (Katharina Winkler“), Teil 5 von Martin Walkers Bruno, das gestern erstandene „Und was hat das mit mir zu tun?“ und ein bisschen Rafik Schami auf dem Programm. Und im September geht es dann schon wieder in Richtung Herbstlese und auch die Lesung von Kai Meyer in der Lieblingsbuchhandlung steht auf dem Programm. Ich freu mich drauf!

Der Lesemonat in Bildern

[Monatsrückblick] Mein literarischer Juni.

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Juni!

44. Benedict Wells – Becks letzter Sommer [11.06.2016]
45. Jojo Moyes – Eine handvoll Worte [17.06.2016]*
46. Meg Wolitzer – Die Interessanten [18.06.2016]
47. Paula Fürstenberg – Familie der geflügelten Tiger [18.06.2016]
48. Eva Völler – Die goldene Brücke (Zeitenzauber #2) [19.06.2016]
49. Eva Völler – Das verborgene Tor (Zeitenzauber #3) [22.06.2016]
50. Cassandra Clare – Lady Midnight (Dark Artifices #1) [28.06.2016]

Wie wir sehen: Guter Schnitt! 5 Bücher, ein Hörbuch. Und das „trotz“ neuem Job, allerdings halt mit deutlich längeren Fahrzeiten und dadurch auch mehr Lesezeit. Dazu kommen völlig entspannte Wochenenden, an denen schon mal gleich zwei Bücher ausgelesen werden.

Die Favoriten waren „Becks letzter Sommer“ und „Familie der geflügelten Tiger“ (wozu ich hier noch nichts weiter sagen werde, denn es erscheint erst im August). Der Rest ist eher so die Kategorie „Unterhaltungsliteratur“ und war gerade in der Eingewöhnungsphase sehr angenehm, denn tagsüber ist mein Kopf schon sehr gefordert.

Überrascht hat mich „Lady Midnight“, denn nach „City of Heavenly Fire“ war ich doch etwas enttäuscht und freue mich nun mit diesem Buch einen neuen Teil des Schattenjägeruniversums zu haben. Es ist doch immer das gleiche mit diesen Reihen [1 | 2 | 3]..

Aber jetzt warten erstmal zwei Wochen Sommerurlaub auf mich und damit auch ganz viel Lesezeit am Strand. Da werde ich u.a. die Luna-Chroniken weiterlesen und auslesen! Und „Unterleuten“ kommt auch mit und wird hoffentlich ausgelesen. Habt ihr sonst noch Pflichtlektüre für meinen Sommer?

#jdtb16

Wieder einmal lieferte der Facebook-Lesekreis mein Taschenbuch des Monats. Leider hat mich „Die Interessanten“ insgesamt doch etwas enttäuscht. Was als interessanter „Coming of Age“-Roman begann verlor sich leider bald in eine recht banale Geschichte von einigen Freunden, die doch ein recht normales Leben führen. Vielleicht ist das genau der Reiz des Buches, aber mich hat es schlussendlich nicht überzeugt. Einzig die gut gemachten Zeitsprünge hielten mich bei der Stange. Ansonsten wirkt die Story zwischen „normales Leben“ und „völlig unglaubwürdige Story“. Ich finde es ein bisschen schade, denn der Anfang bot viel. Und auch das Cover finde ich nach wie vor grandios! Fazit: „Die Intessanten“ ist für mich leider eher „Die Uninteressanten“. Vielleicht werde ich mal in die Serienadaption reinschauen..

Reading Challenge

ReadingChallenge2016

*hust* Ursprünglich waren die 52 Bücher mal für ein ganzes Jahr das Ziel.. nun sind es im ersten Halbjahr schon 50 Bücher geworden und ich bereue es auch nicht. Ihr dürft also gespannt sein, was im zweiten Halbjahr noch so kommt. Ich werde wohl auf jeden Fall meine Reading Challenge im Urlaub knacken. *Konfetti*

Wie läuft euer Lesejahr so zum Halbjahr hin?

Der Lesemonat in Bildern

In diesem Sinne wünsche ich euch einen tollen Lesesommer und verabschiede mich in den Urlaub!

karo