All Posts By

Karo

[Kaffeeklatsch] Ein Lebenszeichen…

Hallo ihr Lieben,

Ich könnte jetzt behaupten dass ich stundenlang vor dem offenen Textdokument sitze und mich der blinkende Cursor zur Weißglut treibt. Die Wahrheit ist aber, dass ich so weit meist gar nicht komme, weil ich bisher nicht einmal ein Textdokument offen hatte.

Wieso ist das aber so? Es ist ja nicht so, dass ich nicht lese. Nicht so viel wie Anfang letzten Jahres, weil mir dazu schlichtweg die Zeit fehlt. Ich pendele jeden Tag von Erfurt nach Jena; das ist pro Strecken ungefähr eine Stunde, die ich hervorragend zum lesen nutzen könnte. Das Problem: Regionalzug mit Neigetechnik, früher Morgen und oft kein Sitzplatz in Fahrtrichtung. Und das ist in meinem Fall ein Problem. An dieser Stelle bin ich neidisch wenn Menschen dies können und sogar in Autos und Bussen lesen können.

IMG_1664Ich habe jetzt zumindest pro Woche einen Punkt im Kalender, der heißt „mindestens ein Buch pro Woche lesen“. Zwei Wochen ging es gut und dann machte mir eine Erkältung einen Strich durch die Rechnung. Zum lesen kommt auch das Bloggen wieder hinzu. Es fehlt mir. Ich weiß dass ich keine große Leserschaft wie andere Blogs habe, aber es fehlt mir trotzdem.

Vielleicht sollte ich vorerst beide Vorhaben verbinden und über „(M)Ein Buch der Woche“ bloggen. Was für ein Buch? Wieso das Buch? Außerdem könnte es mir helfen meinen SuB abzubauen bevor er dank Weihnachts- und Geburtstagsgutscheinen wieder zunimmt.

Was es sonst bei mir gibt? Nicht sehr viel Neues.. die größte Neuerung ist auch nach mehr als einem halben Jahr der neue Job, der auch der Grund des Pendelns ist. Als Projektassistent zur Organisation medizinischer und wissenschaftlicher Kongresse bin ich einfach voll ausgelastet und manchmal auch einfach am Abend vom Kopf her fix und fertig. Und momentan fällt es mir dann manchmal schwer im Zug nicht einfach zu schlafen, sondern mit ein Buch zu nehmen. Mitte des Jahres gibt es noch eine große Änderung, aber dazu mehr zu gegebener Zeit.

Also gelobe ich an dieser Stelle Besserung und werde Mal schauen welches Buch der Woche dieses Wochenende den Anfang machen darf. Und vielleicht habe ich ja trotz der Abwesenheit der letzten Monate noch die Chance, dass meine Akkreditierung für die Leipziger Buchmesse gewährt wird. Drückt mir die Daumen.
Alles Liebe,

Karo <3

[Lesung] Benedict Wells – Vom Ende der Einsamkeit

Vor mehr als einem halben Jahr las und verloste ich anschließend Benedict Wells’ Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ und ich bin wohl nicht die einzige, die nachhaltig davon beeindruckt war. Umso mehr freute ich mich, dass die Erfurter Herbstlese ankündigte, dass er aus eben Roman lesen würde.

Der Leseabend mit Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells wird von Monika Rettig (Erfurter Herbstlese) vorgestellt.Gestern Abend war es dann so weit und man fand sich in der Buchhandlung Hugendubel am Erfurter Anger ein. Benedict Wells wurde wie immer sehr charmant von Monika Rettig, der Programmdirektorin der Erfurter Herbstlese, angekündigt und machte recht bald klar, dass für ihn das Talent nicht alles ist, sondern Glück und auch Wille eine sehr große Rolle spielen. Für mich spiegelt sich dies darin wieder, dass er – auf die Publikumsfrage wie er sich im Moment mit all dem Trubel und Lob fühlt – darauf verweist, dass er das wahrscheinlich erst in 2 Jahren realisiert haben wird, wenn der wirkliche Trubel abgeebbt ist. Nichtsdestotrotz kann er jetzt schon sagen, dass eigentlich alle Träume übererfüllt seien.

Benedict Wells liest aus "Vom Ende der Einsamkeit".Zwischen den einzelnen Lesestellen – insgesamt drei und ein kleiner – gab er Auskunft zu Schreibprozessen und zum Entstehungsprozess des Buches selbst. So sagt er, dass „Vom Ende der Einsamkeit“ aus ursprünglich ca. 800 Seiten bestand und dass es, aufgrund seines eigenen Willens ein sprachlich besonderes Buch zu verfassen, erst im Verlauf des redigierens auf den Umfang gekürzt wurde, den wir heute als Buch lesen können.
Diesen Prozess beschrieb er sehr treffend als „Jenga“ Spiel: Man zieht immer wieder Stellen wie Holzblöcke heraus und schaut dann, ob das Gerüst in diesem Zustand noch stehenbleibt. Ich würde sagen, und ich denke da werde ich Zustimmung finden, dass dies sehr gut gelungen ist und dass wir weder zu wenig noch zu viel Buch haben. Sein Fokus auf die Sprache ist dem Roman auch im Vergleich zu seinen anderen Romanen einfach anzumerken.

Sieben Jahre für ein Buch: Wie motiviert man sich da?

Bei einem Schreibprozess der sieben Jahre dauerte, erstaunt also nicht die Nachfrage, wie man sich über einen so langen Zeitraum wirklich motiviert. So vergleicht Wells seinen persönlichen Schreibprozess mit dem Tanken: Vor Beginn ist der Tank voll und der Idealfall ist für ihn, dass erst mit dem Ende der ersten Fassung der Sprit ausgeht. Es ist also durchaus verständlich, dass der Korrekturprozess ein langer ist; jede Korrekturphase beginnt mit neuer Motivation und neuem Sprit anstatt zwischendrin die Lust zu verlieren, weil man gleich im ersten Anlauf alles perfekt haben will. Dies mag bei anderen Autoren funktionieren, aber für Benedict Wells tut es das nicht.
Dadurch verändere sich der Roman im Korrekturprozess nochmal sehr stark. Aus einer halb amerikanischen Familie wurde so eine Familie mit einem französischen Elternteil und die Perspektive zwischendurch komplett verändert, nur um in der nächsten Fassung wieder zur ursprünglich ersten Fassung zurückzukehren.

sagt er als das Publikum auf die doch massiven Kürzungen zu sprechen kommt. Allerdings sieht er heute ein, dass es einfach notwendig war, da er vor allem Jules als Hauptfigur verpflichtet war und nicht dem potentiellen Leser. Darum sind alle Lücken, die auch durch die Einteilung in den 5-Jahres-Rhythmus zustande kommen – eine bewusste Entscheidung, die vor allem dem Roman dient. Nichtsdestotrotz schmerzen ihn einige Streichungen heute noch auch wenn er weiß, dass sie richtig waren.

Wie schafft man es über einen solch langen Zeitraum mit einem solch schwierigen Thema umzugehen?

Bei seiner Antwort konnte man rundherum Nicken wahrnehmen und auch für mich ist dies eine Art Lebensmotto.

Auch zu seinem eigenen Lebensweg wurde er befragt. Von meiner Seite aus die Frage wieso er sich damals für Berlin entschied obwohl die Stadt „damals“ – auch nach seiner eigenen Aussage – noch nicht so hip war, wie sie es heute ist. Die Antwort ist ganz einfach: Berlin war weit weg von München und günstig. Man konnte auch mit nur einen Nebenjob leben und sich dem Schreiben widmen. Durch die Einführung von Frau Rettig ergab sich auch die Frage, ob er denn selbst für sich ein Studium noch in Betracht zieht und was dies sein könnte.

„Die besten Lehrer sind die besten Bücher.“, sagt Benedict Wells treffenderweise in seiner Begründung wieso er sich – wo es doch so nahe läge – nicht für ein Literaturstudium entscheiden würde. Allerdings ist ein Studium nicht komplett ausgeschlossen, auch wenn er sich mittlerweile zwischen einer Gruppe 19-jähriger doch etwas zu alt fühlen würde, auch wenn man es ihm nicht ansähe.

Benedict Wells und ich. Schlussendlich möchte ich dem Diogenes-Verlag danken, dass sie Benedict Wells die Chance der Publikation gaben und ihm selbst damit auch einen Lebenstraum erfüllt haben, denn über die Bücher John Irvings entwickelte sich bei Benedict Wells der Wunsch bei genau diesem Verlag zu publizieren. Dadurch wurde nicht nur mir ein Abend ermöglicht, der viel über Benedict Wells – einen bescheidenen und symphathischen Autor – selbst verriet, aber auch sehr unterhaltsam war. Im Anschluss nahm er sich viel zeit für Signierwünsche und noch offene Fragen und so konnten auch wir noch ein Rätsel lösen, welches uns seit April beschäftigte. Auch ein Foto machten wir noch.

Und ein besonderer Pluspunkt: Er liest gern Literaturblogs. In diesem Sinne: Vielleicht Herzlich Willkommen hier, Benedict Wells 🙂

Wer noch nicht über „Vom Ende der Einsamkeit“ weiß, dem sei die Rezension der lieben maaraavillosa  ans Herz gelegt, die ihr unter diesem Link findet.

[Monatsrückblick] Sommer, Sonne, Sonnenschein!

books-918521_960_720

Bild via pixabay

51. Marissa Meyer – Wie Sterne so golden [06.07.2016]
52. Marissa Meyer – Wie Schnee so weiß [08.07.2016]
53. Heinz Strunk – Der goldene Handschuh [09.07.2016]
54. Cecilia Ahern – Der Glasmurmelsammler [09.07.2016]
55. Candy Bukowski – Wir waren keine Helden [10.07.2016]
56. Elizabeth Gilbert – Eat Pray Love [13.07.2016]
57. Juli Zeh – Unterleuten [15.07.2016]
58. Martin Walker – Delikatessen (Bruno, chef de police #4) [25.07.2016]

Normalerweise lasse ich die Daten nicht an der Liste in den Monatsrückblicken, aber im Juli ändere ich das jetzt mal…wies0? Weil man sehr amüsant sieht, in welcher Zeit ich im Sommerurlaub war und einfach unfassbar viel Lesezeit hatte. Da ich den restlichen Nachmittag und Abend auch zur Lesezeit erklären werde, kommt evtl noch „Als der Himmel uns gehörte“ (Charlotte Roth) hinzu und dann hätte ich auch mein Taschenbuch für diesen Monat (wir wissen: #jdtb16)… ich werde berichten, denn es ist schließlich auch ein Buch aus dem ARD Lesekreis und bisher gefällt es mir so gut, dass es noch ein paar zusätzliche Worte hier bekommen sollte.

Man merkt auch, dass alles irgendwie ein wenig „durcheinander“ wirkt, aber da bei mir Urlaubszeit wirklich Lesezeit ist, ist meine Auswahl eher nach dem Prinzip „Hab ich grad Bock drauf!“ und das hat wieder einmal sehr gut funktioniert. Wenn man nämlich eh weiß, dass man im Schnitt ein Buch pro Tag auslesen wird, kann man das Buch gut nach Tageslaune festlegen. Wobei ich grad nicht sicher bin in welche Tageslaune „Der goldene Handschuh“ fällt, denn das ist doch ein sehr tiefer Blick in menschliche Abgründe. Allerdings muss ich sagen, dass mir ein solches Buch deutlich mehr zusagt als jegliche Thriller. Man weiß von Anfang an in welcher Richtung es sich bewegt und das finde ich gut, auch wenn es halt um menschliche Abgründe geht.

Favoriten dieses Monats waren „Wir waren keine Helden“ (Candy Bukowski), „Delikatessen“ (Martin Walker) und tatsächlich auch „Eat Pray Love“ (Elizabeth Gilbert) . Zuerst einmal „Wir waren keine Helden“, worüber ich wahrscheinlich noch ausführlicher schreiben werde und es wahrscheinlich auch nochmal lesen werde. Es ist einfach eine Lebensgeschichte, die so schnell erzählt ist, dass sie einen einfach nur mitreißen kann. Die eigenen Gedanken kommen beim Lesen kaum nach und dann stoppt man wieder, weil man über grandiose Zeilen stolpert. Ich bin zwar um einiges jünger als die Protagonistin Sugar, aber trotzdem mit der meisten Musik aufgewachsen, die auch im Buch eine Rolle spielt. Es katapultiert mich in mein eigenes Leben zurück, welches vielleicht nicht so „aufregend“ verlaufen ist, aber halt mein Leben ist.
„Delikatessen“ von Martin Walker ist der vierte Band in der Bruno-Reihe und für mich mittlerweile einfach zu Wohlfühlliteratur geworden. Man schlüpft leicht wieder in die Handlung rein und alle Personen sind wie alte Bekannte, die man nur mal kurz nicht gesehen hat und aber sofort wieder super mit ihnen klarkommt. Genau soetwas brauche ich auch im Urlaub.

„Eat Pray Love“ habe ich unwissend immer irgendwie als Kitschlektüre und leichte Unterhaltung im Hinterkopf gehabt – zu Unrecht, denn eine Lebensgeschichte sollte nicht nur auf solche Begriffe reduziert werden. Ich finde es faszinierend, auf welche Suche sich Liz begibt und wie alle drei großen Reiseziele ihr doch eine so große Hilfe sind, obwohl sie so viel verschiedenes verkörpern. Am liebsten möchte man alles gleichzeitig – in Neapel Pizza genießen, in Indien meditieren und auf Bali das Leben genießen. Für mich definitiv ein Buch mit positivem Nachklang und auch wieder ein Ansatz um mehr zu meditieren, da ich weiß, dass mir das gut tut.

Die restlichen Bücher waren auch keine Flops, aber diese drei stehen – aus den verschiedenen Gründen – für mich hervor. Sie sind genau das, was für mich diesen Lesesommer ausgemacht hat. Rasant und Tiefgründig, mit vielen sehr weisen Zitaten, wie „Wir waren keine Helden“, Wohlfühlen wie Bruno in „Delikatessen“ und mit einem Nachklang wie „Eat Pray Love“

Ausblick – Der literarische Spätsommer

Ich bin noch immer nicht wieder zurück in meinem normalen Lesealltag, denn das Lesen im Zug fällt mir schwer. Da ich aber festgestellt habe, dass ich dort auf dem Kindle das Lesen besser vertrage, werden es wohl wieder vermehrt eBooks werden. Das macht auch den täglichen Transport leichter. Ansonsten stehen u.a. „Blauschmuck“ (Katharina Winkler“), Teil 5 von Martin Walkers Bruno, das gestern erstandene „Und was hat das mit mir zu tun?“ und ein bisschen Rafik Schami auf dem Programm. Und im September geht es dann schon wieder in Richtung Herbstlese und auch die Lesung von Kai Meyer in der Lieblingsbuchhandlung steht auf dem Programm. Ich freu mich drauf!

Der Lesemonat in Bildern